Fiat-Chrysler und Google basteln an selbstfahrendem Minivan

2. Mai 2016, 18:40
15 Postings

Die beiden Konzerne schmieden eine Allianz, um das selbstfahrende Auto zu kreieren und Straßenbahn und Autobus zu ersetzen

Neue Nahrung für die seit Monaten kursierenden Spekulationen: Fiat Chrysler Automobiles (FCA) will mit dem Internet-Konzern Google zusammenarbeiten. Es geht um selbstfahrende Autos, konkret um die Konstruktion eines Minivans. Autonome Minivans könnten in Zukunft attraktiver sein als Straßenbahnen und Busse, wirbt Google. Und FCA könnte in diesem Bereich, mit seiner reichen Erfahrung an Minivans der geeignete Partner des US-Technologieriesen sein.

Offensichtlich sucht Google, vom Kongress wegen Umwelt-und Sicherheitsauflagen in die Enge getrieben, eine möglichst vielfältige Allianz an kooperativen Pkw-Firmen. Von Ford über Volvo bis zu FCA. Es ist ebenso offensichtlich, dass FCA nach monatelanger Partnersuche, nun endlich seinen Wunsch erfüllt sieht.

Signal für Vitalität

Giuseppe Berta, Fiat-Chrysler-Experte und Professor an der Mailänder Bocconi-Universität, kommentiert die Allianz positiv. Für FCA bedeute dies ein klares Signal an Vitalität, für Google ein Signal, dass die Zeit des kleinen Google-Zweisitzers vorbei ist. Die Alternative zum öffentlichen Bus wird zwar noch Jahre an Fortentwicklung und an Sicherheitsinvestitionen benötigen, aber sie nimmt Gestalt an.

Der Turiner Autobauer wird und kann sich aber nicht mit der Google Allianz begnügen. Zunächst müssen rund sechs Milliarden Euro an Schulden abgebaut werden, um FCA salonfähig zu machen. Marchionne meinte, dass vor 2018 nicht von einer Auto-Ehe zu sprechen sei, auch wenn er weiterhin die Augen offenhalte und mit allen spreche, die Interesse zeigen.

Toyota ziert sich

Zur Auswahl stehen nicht mehr viele Partner. Zweifellos wäre Toyota heiratsfähig. Die Japaner haben am meisten in die Zukunft investiert und sind am fortschrittlichsten, sagt Berta zum STANDARD. Aber sie sind noch nie eine Allianz eingegangen und werden sie vermutlich auch in Zukunft nicht eingehen. Die beiden US-Autogiganten GM und Ford haben abgewunken. Die Franzosen zeigen wenig Interesse. Einzig VW scheint nicht abgeneigt. Allerdings müssen die Wolfsburger ihr Dieselgate-Problem lösen. Doch Fiat Chrysler hat Zeit, meint der Professor. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 2.5.2016)

Share if you care.