Franzose klagt, weil er zum Daumendrehen verdammt wurde

3. Mai 2016, 09:35
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Ein französischer Angestellter hat seinen Dienstgeber vor Gericht gebracht, weil der ihm zu wenig Arbeit gegeben hat

Paris – Es begann mit Unwohlsein und Schlaflosigkeit, führte zu Magengeschwüren und endete mit einem epileptischen Anfall. So erlebte Frédéric Desnard (44) sein Leiden, das Experten "Boreout-Syndrom" nennen – Erschöpfung durch Langeweile im Betrieb.

Desnard arbeitete seit 2006 bei der Pariser Firma Interparfums, die mit Brevets für Luxusduftmarken handelt. Seine "Sturzfahrt in die Hölle", wie er sagt, begann vor zwei Jahren, als sein Arbeitgeber einen wichtigen Kunden verlor. Der Leiter der Abteilung "Allgemeiner Dienst" musste plötzlich kleine Arbeiten übernehmen, für die er gar nicht zuständig oder ausgebildet war. Mit der Zeit hatte er gar nichts mehr zu tun. Er war "placardisiert" – in den Besenschrank ("placard") versetzt, zum Daumendrehen verurteilt.

Ein Präzedenzfall

"Ich war zunehmend deprimiert", erzählt Desnard. "Zudem schämte ich mich, für das Nichtstun bezahlt zu werden." 2014 wurde er entlassen. Erst als er für seine neuen Gebrechen einen Arzt aufsuchte, hörte er, dass es neben dem Burnout (Überarbeitung) auch ein Syndrom des Boreout gebe. Er erkundigte sich – und reichte darauf Beschwerde gegen seinen Arbeitgeber wegen "grundloser Entlassung" ein.

Am Montag begann vor einem Arbeitsgericht in Paris der Prozess, der erste wegen Boreout in Frankreich. Desnard verlangt eine Entschädigung von 350 000 Euro, unter anderem wegen "Belästigung" durch Unterlassung – eine Art negatives Mobbing. Denn als Rechtstatbestand ist das Boreout bisher nicht anerkannt. Genau das verlangt nun der Pariser Arzt François Baumann, der erst im Februar ein Buch über Boreout veröffentlich hat. (brae, 3.5.2016)

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