100 Schreibende und ein Bus unterwegs durch Europa

2. Mai 2016, 17:32
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Literaturprojekt Crowd: Von Helsinki nach Zypern

Graz – Man könne sich diese Art von Fahrt recht ruhig vorstellen: hundert Dichterinnen und Dichter, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die unterwegs durch ganz Europa in einem Bus sitzen und ihre Erlebnisse ständig gleich notieren. Es wird aber alles viel spannender ablaufen, wenn sich Schreibende mehr oder weniger in die entgegengesetzte Richtung der Fluchtrouten durch Europa aufmachen und Grenzen infrage stellen und hoffentlich überwinden. Vor allem ist es ein literarisches Großprojekt, wie es wohl noch nicht viele gab: Crowd steht für "Creating other ways of Dissemination" – neue Wege der Verbreitung und Vernetzung schaffen.

Grenzen überwinden

In Zeiten, da alles auf "Entsolidarisierung und Angst vor dem Anderen setze, sei es wichtiger denn je, sich zusammenzufinden", so der Literaturreferent des Grazer Forums Stadtpark, Max Höfler. Das Forum ist eine von vier Institutionen, die das Projekt, für das es ein EU-Budget von insgesamt 600.000 Euro gab, mitveranstaltet. Die anderen drei sind: Lettrétage aus Deutschland, Nuoren Voiman Liitto aus Finnland und Ideogramma aus Zypern.

Die erste Etappe der Megafahrt startete am Montag, dem 2. Mai, in Helsinki. Durch 15 Länder, auch durch die Türkei, geht die Fahrt, die nach drei Monaten in Zypern enden wird. Es sind jeweils acht bis zehn Autoren gemeinsam unterwegs. Sie reden, schreiben und lesen an den 50 Stationen. Der Omnibus hält unter anderem an Autobahnraststationen oder auch Almhütten. In Berlin und Belgrad. In Österreich hält man in Wien, Graz, Mürzzuschlag, Bad Aussee und beim steirisch-slowenischen Pavelhaus in Laafeld. Unter den 100 Autorinnen aus 37 Nationen sind: Stefanie Sargnagel, Lilly Jäckl, Barbara Markovic, Fiston Mwanza Mujila, Johannes Schrettle, Satu Taskinen, Ulrich Schlotmann, Alexander Micheuz, Clemens Schittko, Steven J. Fowler und Jörg Albrecht.

"Unsere Projektsprache ist schlechtes Englisch, das ist unsere Lingua franca", scherzt Höfler, der seitens des Forums gemeinsam mit Nikos Zachariadis und Heidrun Primas im Projektteam sitzt. Durch das Projekt ergeben sich aber auch spannende Übersetzungskombinationen. Die Texte werden auf eine Papierrolle geschrieben.

Wenn der Omnibus mit den Plüschsitzen seine letzte Station Ende Juli in Zypern erreicht hat, soll die Reise keineswegs zu Ende sein. Die teilnehmenden Gruppen und Institutionen wollen weiterhin an einem Netzwerk der unabhängigen Literatur jenseits des Mainstreams arbeiten.

Im Forum Stadtpark in Graz treffen sich Teilnehmer von 16. bis 18. Juni zu einem kleinen Symposium. Auf der Crowd-Homepage kann man sich laufend ansehen, wo der Bus gerade hält und wie viele Tage, Stunden und Minuten die Uhr schon läuft. (Colette M. Schmidt, 3.5.2016)

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