Pressefreiheit: Österreich "keine Insel der Seligen"

2. Mai 2016, 17:06
6 Postings

VÖZ kritisiert in Inseraten Umgang der Türkei mit Pressefreiheit – Journalistengewerkschaft verweist auf Rückfall Österreichs in Pressefreiheits-Ranking

Wien – Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und die Journalistengewerkschaft nehmen den Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai als Anlass, um auf Missstände in diesem Bereich aufmerksam zu machen. Der VÖZ thematisiert etwa Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei, die Journalistengewerkschaft erinnert daran, dass die Pressefreiheit auch in Österreich verteidigt werden müsse.

Inseratenkampagne

Der Zeitungs-Verband schaltet in allen seinen Mitgliedsmedien eine Inseraten-Kampagne, die die Bedeutung der Presse- und Meinungsfreiheit "als europäisches Grundrecht und Menschenrecht" unterstreichen soll, wie es am Montag in einer Aussendung hieß. Thema des Sujets sind die sich verschlechternden Bedingungen für die Pressefreiheit in der Türkei. Die "massive Bedrohung der Pressefreiheit" betreffe zunehmend auch ausländische Journalisten, so der VÖZ – etwa durch abgewiesene bzw. ausgewiesene oder inhaftierte Journalisten, Angriffe von Anhängern der Regierungspartei AKP auf Redaktionen, Nachrichtensperren, politisch motivierte Steuerfahndungen oder die Zwangsverwaltung von Medienhäusern.

Die Journalistengewerkschaft betonte, dass auch Österreich in Sachen Pressefreiheit "keine Insel der Seligen" sei – auch wenn nicht wie in der Türkei Reporter festgehalten werden – "und es keine Versuche gibt, die Pressefreiheit abzuschaffen wie in Ungarn oder Polen".

Gefährlicher Job

Die Gewerkschaft verwies darauf, dass Österreich im aktuellen Reporter ohne Grenzen-Ranking um vier Plätze auf den elften Rang zurück gefallen sei, – "was mit der zeitweiligen Informationssperre in Traiskirchen im Vorjahr, mit der mangelnden öffentlichen Transparenz durch das Amtsgeheimnis sowie mit der auffallend großen Menge an Regierungsinseraten in speziellen Medien begründet wurde".

Seitens des VÖZ betonte man, dass 2015 weltweit 110 Journalisten ums Leben gekommen sind – und seit Jahresanfang laut dem Pressefreiheits-Barometer von Reporter ohne Grenzen 13 Journalisten getötet wurden. "Journalist zu sein, ist in vielen Ländern ein gefährlicherer Job als je zuvor, aber auch unerlässlich für Demokratie und Kontrolle. Am Internationalen Tag der Pressefreiheit wollen wir somit auch jenen Redakteuren gedenken, die in Ausübung ihres Berufs getötet wurden", sagte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. (APA, 2.5.2016)

Share if you care.