Fernando Torres, Liebling der Götter mit Falten

2. Mai 2016, 16:14
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Atletico Madrid verteidigt am Dienstag im Halbfinale der Champions League gegen Bayern München einen 1:0-Vorsprung

München – "Atlético wird leiden, aber Atlético wird auch kämpfen." Natürlich weiß einer wie Fernando José Torres Sanz welche Sätze gut ankommen in dieser Phase der Saison. Atlético Madrid hat nach dem 1:0-Heimsieg gegen die Bayern alle Chancen, ins Finale der Champions League einzuziehen. Am Dienstagabend in der Münchner Allianz-Arena hängen die Trauben für die kampfkräftige Truppe von Trainer Diego Simeone hoch, aber beileibe nicht außer Reichweite.

"Torres ist der Anführer des Widerstandes"

Und die nominell dritte Kraft des spanischen Fußballs liegt zudem immer noch bestens im Rennen um die Meisterschaft, die Titelverteidiger FC Barcelona bis vor wenige Wochen schon ganz sicher schien. "Torres ist der Anführer des Widerstandes", schrieb die Marca. Barça und Atlético eilen Kopf an Kopf der finalen Runde entgegen – die Katalanen in Toren schwelgend, die Madrilenen in diesbezüglich typisch minimalistischer Manier.

Für den Welt- und zweimaligen Europameister Torres war diese Schlagzeile der nach Auflage und Reichweite mächtigsten iberischen Sporttageszeitung schlicht Goldes wert. Schließlich steht die Entscheidung an, ob die Atleti auch weiterhin auf den 32-Jährigen setzen.

Die Aficionados des Klubs kennen neben dem Torjäger, der schließlich im Verein groß geworden ist, gegenwärtig nur einen Gott – Coach Simeone. Aber der bärbeißige, 46-jährige Argentinier, der sich nach eigenen Angaben in jedem Schlamm wälzen möchte, der ihm so unterkommt, hat sich noch nicht festgelegt, ob er den vom AC Milan ausgeliehenen Stürmer tatsächlich behalten will. So richtig zusammenpassen wollen die beiden nämlich nicht, obwohl Simeone wohl zwangsläufig oft lobende Worte für den Blondschopf findet.

Schon haben sich in Torres’ jugendliches Antlitz, dem er seinen Spitznamen El Niño, das Kind, verdankt, Falten gegraben. Simeones Ideal vom Dreck fressenden Fußballarbeiter entspricht er trotzdem nicht. Da spielt es gar keine Rolle, dass der einstige Liebling der Götter, der nach 244 Spielen und 91 Toren für Atlético 2007 für 35 Millionen Euro zu FC Liverpool gewechselt war, um dort stante pede zum Idol der "Reds" zu werden, in der Folge auch alle freilich mit jeder Menge Gold gepflasterten Tiefen des Geschäfts auszuloten hatte.

Zeitweiliger Chancentod und Champions-League-Sieger

Bei Chelsea, das in 2011 um 60 Millionen verpflichtete hatte, galt er zeitweilig als Verkörperung des Chancentodes, immerhin war der oft und oft Verspottete aber mit von der Partie, als die Londoner unter Roberto Di Matteo die Champions League gewannen – 2012 im Elferschießen des sogenannten "Finales dahoam" bei den und gegen die Bayern.

20 Tore in 110 Spielen lautete schließlich Torres’ relativ schwacher Arbeitsnachweis bei Chelsea, beim AC Milan, wohin der "ungeliebte Meister aller Klassen" (Die Welt) nach dem Gewinn der Europa League 2013 wechselte, sollte er nur auf zehn Spiele und einen Treffer kommen.

Die leihweise Heimkehr zu Atlético, wo er bereits als Elfjähriger Fußballschuhe verschlissen hatte, war wie eine Errettung aus höchster Not. Coach Simeone, mit dem er zwischen 2003 und 2005 bei Atlético noch zusammengespielt hatte, ließ ihn aber nie in den Staus eines Stammspielers rücken, nicht selten kommt der 109-fache spanische Teamstürmer nur von der Bank.

Vielleicht ist Simeone aber nur abergläubisch. Denn Torres hat als Fußballer schon alles gewonnnen, nur Landesmeister war der dreifache Vater noch nie. (lü, 2.5.2016)

Champions League, Halbfinal-Rückspiel, Dienstag

FC Bayern München – Atletico Madrid
Arena München, 20.45 Uhr, live ORF 1, ZDF und Sky, SR Cakir (TUR), Hinspiel 0:1

Mögliche Aufstellungen:

Bayern: Neuer – Lahm, Javi Martinez, Benatia, Alaba – Xabi Alonso – Coman, Vidal, Ribery/Douglas Costa – Müller, Lewandowski

Ersatz: Ulreich – Kimmich, Tasci, Boateng, Bernat, Thiago, Götze

Es fehlen: Robben (Adduktoren), Badstuber (Knöchel)

Fraglich: Ribery (Rücken)

Atletico: Oblak – Juanfran, Gimenez, Godin, Filipe Luis – Saul, Gabi, Augusto Fernandez, Koke – Griezmann, Torres

Ersatz: Moya – Lucas Hernandez, Kranevitter, Savic, Gamez, Carrasco, Correa

Es fehlt: Tiago (Fuß)

Der Aufsteiger trifft im Finale am 28. Mai im Mailänder Meazza-Stadion auf den Sieger aus Manchester City – Real Madrid (Hinspiel 0:0, Rückspiel am Mittwoch).

  • Fernando Torres, mit 32 Jahren kaum noch "El Niño" zu nennen, kann auch noch Gegenspieler vom Kaliber David Alabas alt aussehen lassen.
    foto: afp/ javier soriano

    Fernando Torres, mit 32 Jahren kaum noch "El Niño" zu nennen, kann auch noch Gegenspieler vom Kaliber David Alabas alt aussehen lassen.

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