Weine zeigen ihre Herkunft

Kolumne11. Mai 2016, 17:20
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Rebsorten-Fetischismus: Weine müssen nicht immer schmecken, wie sie sollen

Generationen an Österreichern wurde eingetrichtert, dass typischer Grüner Veltliner nach dem sogenannten Pfefferl zu schmecken habe. Eine besonders perfide Assoziation – löst doch schon der Gedanke an Pfeffer im Wein Reizhustenattacken aus. Warum wird überhaupt bestimmt, wie eine Rebsorte zu schmecken hat?

Vielleicht kann man sich langsam von dem Dogma befreien, dass Weine sortentypische Aromen aufweisen müssen, um gut zu sein. Mitunter hat nämlich gerade dieser Rebsorten-Fetischismus dazu geführt, dass Weine immer gleicher schmecken – egal woher sie kommen.

Ganz abgesehen davon, dass vermeintlich natürliche Geschmacksnoten ohnehin gerne im Lagerhaus eingekauft werden: Da wimmelt es nur so von Reinzuchthefen mit verlockenden Versprechungen. Die Weißweinhefe "Weiß und Fruchtig" etwa "verleiht dem Wein ein typisches und sortenreines Aroma", wobei "das Bouquet mit floralen Noten und elegantem Geschmack unterstützt wird", heißt es in der Beschreibung.

Weine, die mehr sein wollen als nur Fruchtsaftgetränk, zeigen deutlich ihre Herkunft. Übertriebene Betonung von Sortenspezifik verschleiert sie. Die Rebsorte dient lediglich als Transportmittel für die jeweilige Eigenheit des Terroirs – vorausgesetzt, der Wein wird im Keller nicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. (Christina Fieber, RONDO, 6.5.2016)

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