61. Song Contest: Laut Statistik gewinnt langsame, fröhliche Frau

2. Mai 2016, 13:12
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Chancen steigen, wenn der Song im Midtempo-Bereich angesiedelt ist und in Moll komponiert wurde – Österreichs Hoffnung Zoe gut im Rennen

Wien/Stockholm- 42 Nationen treten beim 61. Eurovision Song Contest in Stockholm gegeneinander an. Welchen Song Jury und Publikum favorisieren, wird dann nicht zuletzt vom Charisma des Interpreten und der Qualität des Liedes abhängen. Jedoch gibt es einige weitere Kriterien, die sich in den vergangenen 60 Ausgaben als Erfolgsgaranten herauskristallisiert haben.

Betrachtet man die Kandidaten 2016, so treten diesmal sieben Bands und 35 Solomusiker an, von denen wiederum 13 männlichen und 22 weiblichen Geschlechts sind. Gehört man letzterer Gruppe an, hat man statistisch betrachtet die größte Chance zum Sieg. Denn ein Blick auf die Sieger der vergangenen Bewerbe zeigt, dass man tendenziell im Vorteil ist, wenn man solo antritt und eine Frau ist: Mit 35 an der Zahl machen die weiblichen Teilnehmer die Mehrheit der insgesamt 63 Sieger – 1969 gab es gleich vier davon – aus. Dana International und Conchita Wurst wurden hier gar nicht mitgezählt, aber auch so ist die Bilanz eindeutig: Nur 17 Mal konnte eine Band den Sieg holen, nur neun Mal hatte ein Mann am Ende das Siegerlächeln im Gesicht.

Wechsel von Dur zu Moll

Was die Tonart des Songs betrifft, so gilt es im Gesamtvergleich, Dur gegenüber Moll zu bevorzugen, denn auch hier sprechen die Zahlen mit 40 zu 23 eine deutliche Sprache. Jedoch hat sich in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen, denn seit der Jahrtausendwende ist Moll dominant geworden: Von den 14 Siegertiteln seit 2001 haben elf diese oft melancholisch wahrgenommene Tonart aufgewiesen.

Die erfolgsversprechende Geschwindigkeit, die bei Musik in "beats per minute" (bpm) gemessen wird, liegt hingegen im Midtempo-Bereich. Die 63 Siegertitel hatten bisher eine Bandbreite von eher getragenen 27 (1995, Secret Garden aus Norwegen) bis hektischen 134 (1998, Dana International aus Israel), wobei Vorjahressieger Mans Zelmerlöw und sein Song "Heroes" mit 124 bmp eher im oberen Bereich zusiedeln sind.

Midtempo

Mit Blick auf die gesamte ESC-Geschichte hat sich allerdings die Wahl einer Schlagzahl im Bereich zwischen 61 und 70 bpm als siegbringend herausgestellt, die in 20 Fällen zum Erfolg führte. Schon die zweiterfolgreichste Tempogruppe, 71 bis 80 bpm, kommt nur noch auf zehn Sieger.

Bliebe also noch die Frage des Textes, die in einer Untersuchung der Musikwissenschafterin Mariya Aleynikova betrachtet wurden. Sie teilt die Lyrics der Siegersongs in die vier Kategorien "hoffnungsvoll", "romantisch", "pathetisch" oder "frech". Auch hier gab es mit den Jahren Veränderungen, denn während in den Anfangsjahren eher romantische Texte auf der Siegerstraße landeten, gab es in den vergangenen elf Jahren einen eindeutigen Trend hin zum Pathos, der sieben Mal zum Erfolg führte.

Fröhlich bis neutrale Melodie

Die besten Siegeschancen hätte laut Analyse also ein Midtempo-Song mit 61 bis 70 bpm, der eine fröhliche bis neutrale Melodie aufweist und bei dem eine weibliche Sängerin einen pathetischen Text präsentiert. Nach diesen Kriterien dürfte es mit Blick auf das heurige Teilnehmerfeld einige Favoritinnen geben. Österreichs ESC-Hoffnung Zoe hat das passende Geschlecht und die fröhliche Melodie, obgleich der Song in Moll geschrieben ist. Das wäre also die statistische Habenseite, wobei "Loin d'ici" mit über 140 bpm recht flott im Rennen liegt. Und ob die Suche nach dem Paradies, in dem man singt und tanzt, als "romantisch" oder "pathetisch" gewertet wird, ist wohl Geschmackssache. (APA, 2.5.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa / robert jaeger
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