User-Wertung: Wie hat Ihnen Thomas Vinterbergs "Die Kommune" gefallen?

Umfrage3. Mai 2016, 05:30
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Der dänische Filmmacher thematisiert in seinem neuesten Film den Versuch, bürgerliche Familienstrukturen aufzubrechen – und welcher Preis dafür zu zahlen ist

Revolutionär war Vinterberg in den 90ern. Zusammen mit Lars van Trier und anderen veröffentlichte er 1995 das Manifest "Dogma 95": ein Regelwerk, das der fortschreitenden Wirklichkeitsentfremdung des Kinos entgegenwirken sollte. Aufsehen erregte er dann auch mit dem 1998 erschienenen Film "Das Fest", einer Familiengeschichte, gedreht nach den Prinzipien des Manifests.

Um Revolutionäres geht es auch in Vinterbergs neuestem Werk "Die Kommune". Allerdings weniger, was die Form des Films betrifft – vielmehr thematisiert "Die Kommune" den Versuch des Ausbruchs aus dem bürgerlichen Leben. Angesiedelt ist der Film in den 70er-Jahren, utopische Lebensentwürfe sind en vogue, und Familienvater Eric zieht mit seiner Frau Anna und der gemeinsamen Tochter in ein geerbtes Haus, in dem sie bald eine Kommune eröffnen. Das Gemeinschaftsleben, das zunächst vor allem Anna aufblühen lässt, verkompliziert sich merklich, als Eric sich verliebt und seine Geliebte, um einiges jünger und gleichzeitig Anna äußerlich sehr ähnlich, in die Kommune zieht. Anna, anfangs einverstanden mit dem Experiment, wird am Ende des Filmes desillusioniert die Familie verlassen.

Vinterberg bringt in dem Film zwei autobiografische Themen unter, die er auch im STANDARD-Interview explizit anspricht: das Leben in der Kommune und den eigenen Betrug an der Ehefrau. Aber wie gelungen ist die filmische Reflexion über Familie, Liebe und gesellschaftliche Normen?

Was sagen die Kritiker?

In der "Zeit" zeigt man sich von der Darstellung von Trine Dyrholm als Anna begeistert. Sie verkörpere die Rolle so, dass die Figur "trotz Alkohol und Weinkrampf ihre Würde nicht verliert". Sie schaffe es sogar, "noch dann glaubhaft zu wirken, wenn das Drehbuch trotz der ganzen Unbill, die ihr widerfährt, ein Lächeln von Anna verlangt". Dem Rest des Filmes wird allerdings deutlich skeptischer begegnet. Da die Handlung in den 70er-Jahren spiele, so die Kritik, hätte es "eine interessante Konfrontation mit unserer heutigen neokonservativen Auffassung von Liebe werden können". Gelungen sei dies aber gerade nicht. Vinterberg habe die Kulissen einer "1970er-Jahre-WG aufgebaut, um die Demütigung einer Frau zu rechtfertigen". Es sei ein "konventionell-missglückter Film" geworden, so das Urteil.

Wohlwollender urteilt da der "Spiegel": Vinterberg, der ein hervorragender Beobachter von Gruppendynamiken sei, habe eine "kühl inszenierte Chronik des Scheiterns" geschaffen. Ein Scheitern, das eben auch verdeutliche, dass es vor allem der Mann sei, der sich – trotz besseren Vorsatzes – "nie wirklich aus althergebrachten Mustern löst". Das Ende sei insofern auch für die Figur der Anna versöhnlich, wenn man es unter den Vorzeichen "Man hat es zumindest versucht" betrachte.

Was sagen Sie?

"Die Kommune" ist sicherlich nicht das Werk Vinterbergs, das am meisten Zustimmung erhält. Der Regisseur bleibt aber – auch im Kritikerspiegel – sicherlich einer der interessantesten europäischen Filmakteure. Für wie gelungen halten Sie den Film? Stimmen Sie den Kritikermeinungen, positiv oder negativ, zu, oder halten Sie ganz andere Aspekte für entscheidend? Wie beurteilen Sie "Die Kommune" im Vergleich zu Vinterbergs übrigen Filmen? (jmy, 3.5.2016)

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  • Ein Bild aus glücklichen Tagen – zumindest von der Idee her.
    foto: polyfilm

    Ein Bild aus glücklichen Tagen – zumindest von der Idee her.

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