Zubin Mehta: Zum Geburtstag viel Bruckner

2. Mai 2016, 07:39
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Zubin Mehta, Daniel Barenboim und die Philharmoniker

Wien – Zu seinem Achtziger beschenkte sich Zubin Mehta mit den Musikvereinskonzerten Nummer 286, 287 und 288 mit den Philharmonikern. Berufskollege Daniel Barenboim testete als Solist von Schumanns Klavierkonzert am Samstagnachmittag mit elastischen Tempi aus, wie es um die Flexibilität des Nebenerwerbsopernorchesters steht (sehr gut), bot viel Detailarbeit und etwas Schlampigkeit, Sentiment und etwas showhaftes Geballere: Die Bässe seines Barenboim-Flügels waren wie Donnerhall. Eine Insel der Innigkeit die As-Dur-Themenvariation im Kopfsatz; die prachtvolle Kadenz präsentierte er mit souveräner Grandezza.

Die Philharmoniker kennen das Werk seit 1847, als sie es mit der Traumpaarung Clara und Robert Schumann aufführten, dennoch erlaubten sich die Streicher gegen Ende des Intermezzo-Mittelteils ein wenig interne Konfusion. Den Finalsatz gab Barenboim für ein Allegro vivace bedächtig; noch ruhiger die Zugabe, Chopins Fis-Dur Nocturne. Dann Bruckners Siebente, das Wunderwerk. Ihre Wiedergabe war ein Musterbeispiel an Ausgewogenheit, Umsicht, Genauigkeit. Mehta schien Behutsamkeit als Devise ausgegeben zu haben: nur kein Spektakel! Das Musizieren der Philharmoniker war im Zwischenbereich von Liebes- und Gottesdienst zu verorten: jede Note eine kostbare Reliquie, die Steigerungen von nobler Pracht. Es war ein Bruckner in Vollendung, der aber mit Fortdauer Gefahr lief, in seiner Denkmalhaftigkeit zu erstarren.

Befreiend, dass Mehta den Finalsatz beschwingt nahm, federleicht hüpfte das Thema in den Ersten Geigen daher. Das vollendet runde Blech legte einen Zahn zu und bot Schmackes. Endlich! Nur am Stimmführerpult der Celli werkten Harmlosigkeit und demonstrative Lethargie Seit' an Seit', was vor allem im Kopfsatz zum Manko wurde, dem so das Herz fehlte. Begeisterung. (Stefan Ender, 2.5.2016)

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