Milliardenfusion in der Ölbranche geplatzt

2. Mai 2016, 05:55
33 Postings

Deal scheitert an Widerstand der Kartellbehörden – Halliburton zahlt 3,5 Milliarden Dollar an Baker Hughes

Houston – Die US-Öldienstleister Halliburton und Baker Hughes nehmen Abstand von ihrer geplanten 28 Milliarden Dollar (24,55 Milliarden Euro) schweren Fusion. Die Konzerne gaben am Sonntag das Aus für das Vorhaben bekannt. Zur Begründung führten sie den Widerstand der Kartellbehörden und die schwierige Situation der Branche an. Halliburton werde Baker Hughes eine Konventionalstrafe von 3,5 Milliarden Dollar zahlen.

Nummer zwei und drei im US-Ölsektor

Das US-Justizministerium hatte Anfang April Klage gegen den Zusammenschluss des zweitgrößten mit dem drittgrößten US-Öldienstleister eingereicht. Die Fusion würde den Wettbewerb unterdrücken und den Konsumenten schaden, hatte Justizministerin Loretta Lynch erklärt. In vielen Bereich hätte es nach einem Zusammenschluss von Halliburton und Baker Hughes mit Schlumberger nur noch einen bedeutenden Konkurrenten gegeben. Auch in Europa hatte sich Widerstand geregt.

Die Unternehmen hatten ihre Fusionspläne bereits im November 2014 bekanntgegeben, danach kam es zu vielen Verzögerungen. Ursprünglich hatte der Deal ein Volumen von 35 Milliarden Dollar, nach dem Verfall der Aktienkurse waren es noch 28 Milliarden. Zuletzt hatten beide Seiten über Verkäufe von Geschäftsbereichen beraten. Halliburton setzen wie der Konkurrenz die stark gefallenen Ölpreise zu, da Kunden ihre Ausgaben zurückgefahren haben. Allein im ersten Quartal strich das Unternehmen 6.000 Jobs.

Widerstand der Kartellwächter

In den vergangenen Monaten scheiterten mehrere Großfusionen am Widerstand der Kartellwächter und der Politik. Bei den Pharmariesen Pfizer und Allergan war es ein plötzlicher Schwenk der US-Regierung in Steuerfragen, die die zweitgrößte Fusion aller Zeiten platzen ließ. Gegen die Fusion der Büroartikelkonzerne Staples und Office Depot läuft eine Klage der Wettbewerbsbehörde FTC.

Die Regierung von Barack Obama macht sich offenbar Sorgen, dass die Konzerne es mit der Konsolidierung ihrer Branchen zu weit treiben. Der Staat müsse sicherstellen, dass die Marktmechanismen nicht nur Managern und Großaktionären zugutekämen, sondern allen US-Amerikanern.

Auch in Europa Deals geplatzt

Auch in Europa mischt der Staat mit: Der Absage der Fusion der französischen Telekomkonzerne Orange und Bouygues ging ein Streit zwischen Martin Bouygues und Wirtschaftsminister Emmanuel Macron um die drohende Marktmacht des Milliardärs voraus. Und auch die Deutsche Börse bangt um die Zustimmung der staatlichen Börsenaufsicht zu der geplanten Übernahme der Londoner LSE. (APA, Reuters, 2.5.2016)

Share if you care.