Kontrollen am Brenner: Umfassende Scheinheiligkeit

Kommentar1. Mai 2016, 18:28
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Solidarität kostet Geld und Überzeugungsarbeit

Viele in Europa wissen derzeit, wer die Schuld trägt, wenn die Union zerfällt: Österreich – da am Brennerpass ein "Grenzmanagement" eingeführt werden soll. Ein Plan, der die Scheinheiligkeit aller Beteiligten offenbart. In Österreich wird der Bevölkerung suggeriert, dass ein Bollwerk errichtet wird. Mit Verlaub, der Zaun ist 370 Meter lang. Sogar für einen kettenrauchenden Journalisten ist es eine lösbare Aufgabe, den zu umrunden. Aber selbst ein Zaunderl ist natürlich ein verheerendes Zeichen; taktisch unklug, da er zwar verärgert, aber nichts bringt.

Nur: Die Kommission und Deutschland sind nicht minder scheinheilig. Die Grenzkontrollen im Schengenraum sollen erlaubt bleiben – und ob die mit oder ohne Maschendraht stattfinden, spielt keine große Rolle. Autofahrer, die am Grenzübergang Walserberg wegen der deutschen Kontrollen täglich im Stau stehen, werden da zustimmen. Und, zur Erinnerung: Den Zugverkehr zwischen Wien und München haben im Herbst 2015 die Deutschen eingestellt.

In Wahrheit freuen sich die Nachbarn: Man hat einen "antieuropäischen" Sündenbock, und gleichzeitig muss man sich um keine neuen Flüchtlinge kümmern. Die Chance hätten sie: Im Herbst wurde die Umsiedelung von Flüchtlingen aus Griechenland vereinbart. In "Binneneuropa" angekommen sind bisher 0,5 Prozent. Das ist das wahre Problem der EU: Solidarität kostet Geld und Überzeugungsarbeit, das will sich niemand leisten. (Michael Möseneder, 1.5.2016)

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