Marlene Svazek: Neue Salzburger FP-Chefin

Kopf des Tages2. Mai 2016, 05:30
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Eine junge Frau zwischen den Burschenschaftern

Der PR-Gag ist Andreas Schöppl gelungen. Dass der nach der Spaltung der Salzburger FPÖ in den Schnell- und den Strache-Flügel als Interimsparteichef agierende Alt-Blaue eine 23 Jahre junge Frau an die Spitze der Männerpartei FPÖ setzt, damit hat nicht einmal der engste Funktionärskreis gerechnet.

Dabei hat die für Mitte Juni geplante offizielle Kür der Politikwissenschafterin (Bachelor) Marlene Svazek durchaus eine parteiinterne Logik. Nach Jahrzehnten der absoluten Herrschaft von Karl Schnell wollte man einfach keine starke Figur mehr an der Parteispitze sehen. Schöppl entschied sich für eine kollektive Führung: neben Svazek drei Männer, mehrheitlich schlagende Burschenschafter wie Schöppl selbst. Diese Konstruktion ermöglicht Schöppl zudem, weiterhin im Hintergrund die Fäden zu ziehen.

Bei der Präsentation von Svazek fühlten sich denn auch manche an die legendäre Übergabe des Bundesparteivorsitzes an Susanne Riess durch Jörg Haider im Jahr 2000 erinnert. Statt Haiders pathetischem "Susanne, geh' du voran", gab es freilich nur eine weichgespülte Präsentation. Knapp vor den Präsidentenwahlen wollte man niemanden verschrecken. Dabei könnte es durchaus sein, dass sich die junge Frau bald von den Männern emanzipiert.

Handwerk gelernt

Das politische Handwerk hat sie jedenfalls gelernt. Sie war Funktionärin in der FPÖ-Jugendorganisation RFJ und Gemeindevertreterin in ihrer Flachgauer Heimatgemeinde Großgmain. Danach arbeitete sie als Referentin im Büro von Karl Schnell, und seit der Salzburger Parteispaltung assistiert sie EU-Parlamentarier Harald Vilimsky und arbeite auch als Landesparteisekretärin. Svazek ist schon in sehr jungen Jahren Berufspolitikerin. Die Arbeitswelt jenseits der Politik kenne sie nur vom Hörensagen, wird selbst parteiintern moniert.

Inhaltlich wird die Neo-Obfrau zum radikalen Flügel der FPÖ gerechnet. Sie selbst hat aus ihrer Bewunderung für die Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, auch kein Geheimnis gemacht. Ob die gebürtige Salzburgerin mit steirischen Eltern in der Landes-FPÖ neben der Burschenschafterriege tatsächlich ein Machtfaktor wird oder nur "eine Marionette von Schöppl und Strache", wie ehemalige Bürokollegen vermuten, wird man spätestens nach den Landtagswahlen 2018 wissen. Dann nämlich, wenn es um die Vergabe der lukrativen Posten geht: in der Landesregierung oder am Chefsessel des Landtagsklubs. (Thomas Neuhold, 2.5.2016)

  • Marlene Svazek (23) soll neue FPÖ-Chefin in Salzburg werden.
    foto: apa/barbara gindl

    Marlene Svazek (23) soll neue FPÖ-Chefin in Salzburg werden.

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