Finale: Thiem unterliegt Kohlschreiber

1. Mai 2016, 16:13
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Österreichs Nummer eins verliert enge Partie gegen den deutschen Lokalmatador nach drei Sätzen

München/Estoril/Istanbul – Mit einer 14:0-Siegesbilanz in Entscheidungssätzen in diesem Jahr war Dominic Thiem am Sonntag in sein insgesamt siebentes Endspiel auf der ATP-Tour gegangen. Im 15. Match im Finale von München ist diese Serie zu Ende gegangen. Thiem verpasste seinen sechsten Titel auf der Tour und unterlag dem Deutschen Philipp Kohlschreiber nach 2:32 Stunden mit 6:7 (7), 6:4, 6:7 (4).

Der 22-Jährige kämpfte sich trotz eines 2:5-Rückstandes im entscheidenden Satz noch einmal zurück und wehrte bei 4:5 und 15:40 zwei Matchbälle ab. Thiem erreichte noch das Tiebreak, musste sich aber auch im zweiten Aufeinandertreffen dem zehn Jahre älteren Kohlschreiber beugen. Es war im siebenten Endspiel seiner Karriere die zweite Niederlage für Thiem, der 2016 schon die Turniere in Buenos Aires und Acapulco gewonnen hat. Der erste Sieg eines Österreichers in München blieb Thiem aber ebenso verwehrt wie seinerzeit Thomas Muster, der 1990 im Endspiel verloren hatte.

"Würdiger Sieger"

"Gratuliere, Kohli. Es war ein sehr spannendes Finale, auch für die Zuschauer. Auch wenn das natürlich schwer zu sagen ist, denn die Niederlage ist extrem schmerzhaft", sagte Thiem noch auf der Anlage in Richtung Kohlschreiber, mit dem ihm eine Freundschaft verbindet. "Ich werde mit sehr positiven Erinnerungen nach Madrid kommen. Es gibt einen würdigen Sieger", erklärte Thiem, der sich auch bei den Zuschauern bedankte. Vor allem bei jenen, die auch bei Schneefall und Kälte im Verlauf der ungewöhnlichen Woche in München gekommen waren.

Ungewöhnlich war auch der Finalverlauf. Thiem sah sich gleich im Auftaktgame dem ersten Breakball gegenüber und musste zum 1:2 den Aufschlag auch schon abgeben. Es sollte nicht der einzige Serviceverlust im ersten Satz bleiben, denn beide Spieler mussten ihren Aufschlag je dreimal abgeben, ehe es ins Tiebreak ging. Davor hatte Kohlschreiber bei 5:4 drei Satzbälle nicht nützen können und auch im "Jeu decisif" gelang es dem Deutschen erst mit dem achten (!) Satzball die 1:0-Führung herzustellen.

Comeback

Thiem, der im Verlauf der Woche wesentlich mehr Zeit auf dem Platz verbracht hatte als der ohne Satzverlust ins Endspiel gekommene Kohlschreiber, schaffte mühevoll den Satzausgleich nach 1:42 Stunden. Im entscheidenden Durchgang geriet Thiem nach einem Service-Verlust zum 2:4 mit 2:5 in Rückstand. Thiem schaffte das Rebreak zum 4:5 und wehrte zwei Matchbälle ab. Als Kohlschreiber im Tiebreak bei 6:4 die nächsten Matchbälle vorfand, ließ sich der Lokalmatador den Sieg aber nicht mehr nehmen.

Es war im zweiten Duell mit Kohlschreiber nach der Halbfinal-Niederlage in Kitzbühel 2015 auch die zweite Niederlage des Weltranglisten-15. aus Lichtenwörth. Thiem wird ab Montag wieder Nummer 14 der Welt sein, er hat in München 150 ATP-Zähler sowie 43.430 Euro (brutto) gewonnen. Schon kommende Woche geht es für ihn beim Masters-1000-Turnier in Madrid weiter, wo er auf den Argentinier Juan Martin Del Potro trifft.

Kohlschreiber, der in seinem "Wohnzimmer" München seinen bereits dritten Titel holte (in fünf Finali), war nach dem harterkämpften siebenten Karriere-Titel "irgendwie sprachlos". Zu Thiem meinte er: "Du wirst das Turnier noch gewinnen, meine Zeit wird bald zu Ende sein. Es hat 'Monsterspaß' gemacht". Der in Kitzbühel lebende Kohlschreiber bedankte sich in seiner Siegesansprache nicht nur beim eigenen Team, sondern auch beim Betreuerteam von Dominic Thiem. "Sie drücken mir immer die Daumen, wenn ich nicht gegen Dominic spiele. Es ist eine tolle Freundschaft entstanden."

Turniersiege für Almagro und Schwartzman

Der Spanier Nicolas Almagro hat am Sonntag erstmals nach fast vier Jahren ein Tennis-ATP-Turnier gewonnen. Der ehemalige Top-Ten-Mann besiegte in Estoril seinen Landsmann Pablo Carreno Busta (Nr. 8) 6:7 (6), 7:6 (5), 6:3. Es ist der 13. Finalsieg des 30-Jährigen auf der Tour und auch auf Sand, sein erster seit Nizza Ende Mai 2012. Almagro kehrt damit im Ranking von Platz 71 aus in die Top 50 zurück.

Der Argentinier Diego Schwartzman wiederum hat sein erstes ATP-Finale auch gleich gewonnen. Gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow (2) drehte der 23-Jährige das Endspiel von Istanbul nach verlorenem ersten Durchgang ab dem Tiebreak des zweiten Satzes, gab ab da kein Game mehr ab und gewann 6:7 (5), 7:6 (4), 6:0. (APA, 1.5.2016)

  • Im Finale kann man auch verlieren.
    foto: apa/afp/christof stache

    Im Finale kann man auch verlieren.

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