"Broadchurch" auf ZDF und Amazon Prime: Eine Staffel geht sich noch aus

1. Mai 2016, 16:25
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Wir erleben einen Gerichtssaalkrimi Perry Mason’schen Zuschnitts mit zahllosen wie verblüffenden Wendungen

Es ist so eine Sache mit Folgestaffeln von Serien, die in der ersten Saison grandios eingeschlagen hatten. Manche laufen dann erst zur Hochform auf, bei anderen fragt man sich, was sich die Produzenten gedacht – oder geraucht – haben mögen ...

Im Fall von Broadchurch liegen wir im guten Mittelfeld – oder sogar im hinteren ersten Drittel, manchmal sogar ganz vorn. Immer noch ist der Mordfall des elfjährigen Danny Latimer nicht abgeschlossen. Wir erleben einen Gerichtssaalkrimi Perry Mason’schen Zuschnitts mit ebenso zahllosen wie verblüffenden Wendungen und Enthüllungen, durchwoben von einem spannenden zweiten Handlungsstrang; dazu tolles Schauspielpersonal – Olivia Colman, Charlotte Rampling, Marianne Jean-Baptiste, David Tennant, James D’Arcy. Und dann diese kitschig-grandiose Rosamunde-Pilcher-Küstenlandschaft! Dass in dieser Idylle Lüge, Betrug und Verrat regieren müssen, ist wohl klar.

Doch Plot, Cast und Setting können noch so toll sein: Bei den Dialogen und bei der Regie holpert es manchmal. Vor allem Frau Rampling als Staatsanwältin könnte viel mehr, als sie darf – alles ein bissl zu schaumgebremst, die Regisseure hätten sich ruhig mehr auf die Talente ihrer Stars einlassen können.

Dennoch: Die Story nimmt nach einem Durchhänger gegen Ende wieder sehr ordentlich an Fahrt auf – und kaum ertönt die bedrückend-schöne Abspannmusik von Ólafur Arnalds, ruckelt man sich auf der Couch zu Recht für eine weitere Folge.

Die dritte Staffel wird diesen Sommer gedreht. In der Zwischenzeit können Sie sich ja Gracepoint reinziehen, das wort- und teilweise sogar gesichtsgleiche Remake "Made in USA". Naja, das wäre vielleicht doch zu viel des Guten ... (Gianluca Wallisch, 1.5.2016)

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