Studie: Klimawandel wird Migrationsdruck künftig massiv erhöhen

2. Mai 2016, 05:30
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Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas dürften künftig unbewohnbar werden, die Zahl der Klimaflüchtlinge dramatisch steigen

Mainz/Nikosia – Wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und vom Cyprus Institute in Nikosia berechnet haben, dürfte es im Nahen Osten und in Nordafrika so heiß werden, dass Menschen in vielen heute besiedelten Gegenden nicht mehr leben können. Das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, werde nicht ausreichen, diese Entwicklung zu verhindern.

Wie die Forscher im Fachblatt "Climatic Change" berichten, werde die sommerliche Durchschnittstemperatur in diesen bereits heute sehr heißen Regionen mindestens doppelt so schnell ansteigen wie im global Mittel. Das hätte zur Folge, dass die Temperaturen südlich des Mittelmeers schon Mitte dieses Jahrhunderts an besonders heißen Tagen etwa 46 Grad Celsius erreichen werden. Und solche extremen Tage würden bis dahin mehr als fünfmal so häufig sein wie noch zur Jahrtausendwende.Dies könnte das Leben vieler Menschen so unerträglich machen, dass sie sich zur Flucht gezwungen sehen werden, so die Autoren.

Jährlich 118 extreme Hitzetage

Über 500 Millionen Menschen leben im Nahen Osten und in Nordafrika – einer Region, die bereits jetzt vom Klimawandel stark betroffen ist. So hat sich dort die Zahl der extrem heißen Tage seit 1970 verdoppelt. "Das Klima in weiten Teilen des Orients könnte sich in den kommenden Jahrzehnten so verändern, dass es geradezu lebensfeindlich wird", sagt Jos Lelieveld, Erstautor der Studie. Er und seine Kollegen haben jetzt detailliert ermittelt, wie sich die Temperaturen im Nahen Osten und in Nordafrika im 21. Jahrhundert entwickeln werden.

Das Ergebnis: Selbst wenn sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im Schnitt nur um zwei Grad Celsius erwärmt, würde die Temperatur dort im Sommer um mehr als das Doppelte steigen. In den wärmsten Zeiten würden die Temperaturen schon Mitte des Jahrhunderts nachts nicht unter 30 Grad fallen und am Tag auf 46 Grad Celsius ansteigen. Zudem würde sich die Dauer der Hitzeperioden in den besonders betroffenen Gebieten Nordafrikas und des Nahen Ostens dramatisch verlängern. War es in den Jahren von 1986 bis 2005 durchschnittlich 16 Tage lang sehr heiß, werde es Mitte des Jahrhunderts an über 80 Tagen und Ende des Jahrhunderts an mehr als 118 Tagen ungewöhnlich heiß sein, selbst wenn die Treibhausgas-Emissionen ab 2040 wieder sinken.

Dramatische Folgen

"Wenn die Menschheit weiter wie bisher Kohlendioxid freisetzt, müssen die Menschen im Nahen Osten und Nordafrika sogar mit etwa 200 ungewöhnlich heißen Tagen rechnen", sagt Panos Hadjinicolaou, Koautor der Studie. Dass die absehbaren Klimaveränderungen massive Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der dort lebenden Menschen haben werden, liege auf der Hand. Lelieveld: "Der Klimawandel wird die Lebensumstände im Nahen Osten und in Nordafrika weiter deutlich verschlechtern. Langandauernde Hitzewellen und Sandstürme werden viele Gebiete unbewohnbar machen, was sicher zum Migrationsdruck beitragen wird." (red, 2.5.2016)

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