Dobrindt: Diesel in den USA vor dem Aus

1. Mai 2016, 14:47
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Der deutsche Verkehrsminister Dobrindt erwartet in der Abgasaffäre noch mehr Rückrufe, für die Diesel-Technologie in den USA sieht er schwarz

München/Wolfsburg – Infolge des Abgas-Skandals werden in Europa voraussichtlich noch mehr Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen als bisher bekannt. Mit Suzuki und Renault hätten auch die ersten internationalen Hersteller Rückrufaktionen signalisiert, sagte Deutschlands Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe).

Bisher hatten nur deutsche Hersteller den Rückruf von 630.000 Autos angekündigt. Dobrindt hatte nach Bekanntwerden der massenhaften Abgasmanipulation bei Volkswagen Tests an "relevanten" Dieselfahrzeugen in- und ausländischer Hersteller angeordnet. Dabei waren teils hohe Emissionen an gesundheitsschädlichem Stickoxid gemessen worden. Betroffen waren neben den deutschen Herstellern Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW auch ein Dutzend ausländischer Anbieter wie Ford, Jaguar, Chevrolet oder Dacia. Viele hatten zunächst offen gelassen, wie sie auf die Vorwürfe reagieren.

Daher erhöht das deutsche Verkehrsministerium nun auch auf internationale Behörden und Hersteller den Druck. "Wir sind in Kontakt mit allen betroffenen Zulassungsbehörden. Ich erwarte, dass sie so hart durchgreifen wie wir und für Rückrufe sorgen", sagte Dobrindt er "SZ". "Sollte ein Rückruf nicht freiwillig klappen, werden wir auch das öffentlich diskutieren."

Ausdehnung der Tests

Die Abgastests des Ministeriums sollen in den kommenden Monaten zudem weiter gehen. Die zuständige Kommission werde nicht aufgelöst, kündigte Dobrindt an. "Sie wird weiter benötigt." Im Vordergrund stehe momentan die Messung der Stickoxidemissionen. Dobrindt deutete jedoch auch eine mögliche Ausdehnung der Tests an. "Auch CO2 kann uns beschäftigen. Unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende."

Nach dem Betrug mit manipulierter Abgas-Software bei rund elf Millionen Diesel-Autos droht der Technologie nach Einschätzung von Dobrindt in den USA das Aus. "Es kann gut sein, dass der Versuch, den Diesel in Amerika zu etablieren, nicht mehr funktioniert", sagte der Minister der "SZ". Zurzeit sei sogar nicht unklar, "ob die Fahrzeuge in Amerika in einen rechtskonformen Zustand versetzt werden können".

Vor allem europäische Konzerne hatten zuletzt über Jahre versucht, die in Europa erfolgreiche Diesel-Technik auch in den USA zu etablieren – bisher ohne Erfolg. "In Amerika sind Dieselfahrzeuge eine absolute Randerscheinung", sagte Dobrindt. Es könne gut sein, dass Dieselautos nach dem Abgasskandal nun gar nicht mehr in den USA etabliert werden könnten.

In Deutschland werde der Diesel dagegen noch länger Teil der Fahrzeugflotte bleiben, sagte der Minister. "Wenn wir 2020 eine Million E-Autos haben bei einem Fahrzeugbestand von 45 Millionen, bleiben auch Diesel übrig." Die Umwälzung des Fuhrparks werde länger als zehn Jahre dauern. (APA, 1.5.2016)

  • Vor allem europäische Konzerne hatten zuletzt über Jahre versucht, die in Europa so erfolgreiche Diesel-Technik auch in den USA zu etablieren.
    foto: ap/pleul

    Vor allem europäische Konzerne hatten zuletzt über Jahre versucht, die in Europa so erfolgreiche Diesel-Technik auch in den USA zu etablieren.

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