UNO-Gesandter rechnet mit 100.000 Flüchtlingen aus Libyen

1. Mai 2016, 10:08
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Kobler: "Solange es hier keine funktionierende Regierung gibt, kann niemand diesem Problem wirksam begegnen"

Berlin – Der UNO-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, rechnet für 2016 mit einer deutlichen Zunahme der Flüchtlingszahlen aus dem nordafrikanischen Land. "Dass dieses Jahr sehr viel mehr Migranten über Libyen nach Europa kommen, lässt sich nicht mehr ändern", sagte der deutsche Diplomat der Zeitung "Welt am Sonntag".

"Solange es hier keine funktionierende Regierung gibt, kann niemand diesem Problem wirksam begegnen." Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien 24.000 Menschen aus Libyen nach Europa aufgebrochen. Dabei ist die Überfahrt in der kälteren Jahreszeit schwieriger. "Wenn man das hochrechnet, dann kommen dieses Jahr sicher mindestens 100.000 Menschen über das Mittelmeer." Seit der weitgehenden Schließung der Balkanroute versuchen wieder mehr Menschen, über Libyen nach Europa zu gelangen.

Die EU-Marinemission "Sophia" zum Kampf gegen Schlepperkriminalität vor der libyschen Küste sieht Kobler nicht als Lösung an. "Operation Sophia ist gerade eher ein Faktor, der Migranten anzieht", sagt er. "Die Schleuser schleppen die Boote aufs offene Meer hinaus, bisweilen sogar ohne einen Tropfen Diesel im Tank. Dann rufen sie die Notfallnummern an, weil sie wissen, dass die EU-Schiffe die Menschen retten." (APA, 1.5.2016)

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