Die Boni für VW-Vorstände sind ein Fiasko

Blog1. Mai 2016, 11:16
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Der teilweise Gehaltsverzicht der VW-Vorstände ist zu wenig. Das Vergütungssystem für Manager gehört reformiert: Es darf keine Boni nach Verlusten geben

Die Kontroverse um die Boni für Volkswagen-Vorstände für das Katastrophenjahr 2015 zeigt ein Dilemma auf, das in der öffentlichen Debatte etwas verloren geht: Boni sollen bekanntlich nicht nur kurzfristige Erfolge belohnen, weil dies Manager zu einem zu riskanten Verhalten verleitet, sondern auf längerfristigen Resultaten aufbauen. Genau das tut das VW-Bonisystem, indem es die Ergebnisse mehrerer Jahre berücksichtigt.

Als Folge aber würden die jetzigen und auch früheren Vorstände für 2015 erneut sehr hohe Gehälter erhalten, nämlich eine Gesamtsumme von 63 Millionen Euro. Davon sind 35 Millionen variable und erfolgsabhängige Bonuszahlungen.

Freiwilliger Verzicht

Dieser Betrag steht ihnen rechtlich zu. Freiwillig sind zumindest die derzeit noch aktiven Vorstände bereit, auf rund ein Drittel der reinen Bonuszahlungen zu verzichten.

Aber was der Vorstand unter der Führung von Matthias Müller als großzügige Geste betrachtet, wird in der Öffentlichkeit, den Medien und in der Politik als Unverschämtheit wahrgenommen. Die gleichen Manager, die mit der Dieselaffäre das vielleicht schlimmste Debakel in der jüngeren deutschen Unternehmensgeschichte verursacht und einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro eingefahren haben, werden noch dafür mit Millionen belohnt.

Imagedebakel für Unternehmen

Das ist für VW ein neuerliches Imagedebakel, das sich der angeschlagene Konzern einfach nicht leisten kann. Und es bringt die gesamte deutsche Unternehmenswelt in Verruf.

Daher sind die Rufe nach einer grundlegenden Reform des Vergütungssystemes bei VW angebracht, und wohl auch bei vielen anderen börsennotierten Unternehmen. Ein völliger Verzicht auf Boni würde das Kind mit dem Bade ausschütten: Erfolgreiche Manager bringen den Aktionären sehr hohe Gewinne und haben ein Recht, daran auch zu partizipieren.

Principal-Agent-Problem

Der völlige Verzicht auf Boni schafft andere Probleme, etwa die von Vorstandschefs, die vor allem in prunkvolle Büros, luxuriöse Dienstreisen und teure Übernahmen zur Ausweitung ihrer Macht investieren, und so ihren eigenen Nutzen auf Kosten des Unternehmens maximieren. Das ist das bekannte "Principal-Agent-Problem".

Aber es darf nicht sein, dass ein Vorstand nach einem Verlustjahr Sonderzahlungen erhält. Sinnvoll wäre daher ein asymmetrisches System: Grundsätzlich sollen mehrere Jahre für die Boniberechnung zusammengezählt werden. Aber gleichzeitig muss es eine eiserne Regel geben: Nach Verlusten werden alle Boni gestrichen, die Vorstände fallen auf ihr Grundgehalt zurück.

Durch gutes Wirtschaften zurückverdienen

Das Verlustjahr muss später nicht wieder in die Berechnung hereingenommen werden, damit können verlorene Boni durch gutes Wirtschaften langsam wieder zurückgewonnen werden.

Aber die Schlagzeile: "Millionenboni nach Milliardenverlust" darf es einfach nicht mehr geben, weder in der Industrie noch in der Finanzbranche. Denn das gefährdet die Legitimität der gesamten Marktwirtschaft, und richtet dadurch Schäden an, die dann alle zu spüren bekommen. (Eric Frey, 1.5.2016)

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    foto: afp/hartmann
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