Heftige Kritik an Boni der VW-Manager

1. Mai 2016, 16:36
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Der deutsche Finanzminister hat angesichts der Krise um den Abgasskandal kein Verständnis für die Erfolgsprämien

Wolfsburg – Nach insgesamt 63,2 Millionen Euro an festen und variablen Vergütungen für aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder sorgt der VW-Konzern auch mit Pensionszahlungen für Aufsehen. Allein für ausgeschiedene Vorstandsmitglieder haben die Wolfsburger per Ende 2015 fast eine Viertelmilliarde Euro reserviert (243 Mio. Euro), geht aus der soeben vorgelegten Bilanz hervor.

"Pensionskaiser" ist demnach der wegen der Diesel-Affäre zurückgetretene Martin Winterkorn. Seine Ruhestandsbezüge haben einen Barwert von 28,6 Millionen Euro. Für Ex-Personalvorstand Horst Neumann beträgt der Pensionsbarwert 23,7 Millionen dicht gefolgt von Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller mit 22,6 Millionen Euro Pensionsanspruch.

Luxuspensionen gibt es nicht nur in Wolfsburg: Daimler-Boss Dieter Zetsche kommt auf einen Barwert von 38 Millionen Euro.

Vergütung

In der Kritik stehen inzwischen auch die Tantiemen für den VW-Aufsichtsrat. Sie orientieren sich an der Dividende, und die wurde wegen der Milliardenkosten für "Dieselgate" auf elf Cent je Stammaktie geschrumpft. Nun will VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh die Bezahlung der Aufsichtsräte verändern. Er plädiert nicht für eine Streichung der variablen Vergütung, das sei das falsche Signal, sagte Osterloh der Welt am Sonntag. "Wenn wir wieder normalen Geschäftsverlauf haben, sollten wir über eine Veränderung des Systems nachdenken."

Stichwort Aufsichtsratspräsidium: Der drittgrößte VW-Aktionär, Katar, stößt mit seinem Wunsch nach mehr Einfluss auf erheblichen Widerstand. Das arabische Emirat, das zwei der 20 VW-Aufseher stellt, fordere auch einen Sitz im Aufsichtsratspräsidium als innerstem Machtzirkel des Autokonzerns, berichtet Reuters unter Berufung auf mehrere mit dem Ansinnen vertraute Personen. "Der Wunsch wurde geäußert. Es hat Gespräche gegeben", sagte ein Insider. "Die Begeisterung, das Präsidium zu erweitern, ist gedämpft." Es gebe aber noch keine Entscheidung.

Männer-Verein

Im Präsidium, das alle zentralen Konzernentscheidungen vorbereitet, sitzen derzeit sechs Männer: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Vorsitzender, Wolfgang Porsche als Sprecher der Eigentümerfamilie, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der das Land als zweitgrößten Aktionär vertritt, sowie Osterloh und zwei weitere Arbeitnehmervertreter: IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Osterlohs Stellvertreter Stephan Wolf. Kein Kapitalvertreter sei bereit, seinen Platz für Katar zu räumen, sagte ein Eingeweihter.

Sollte Katar einen Sitz im Präsidium erhalten, müsste gemäß Satzung ein weiterer Arbeitnehmervertreter aufgenommen werden. Es gebe "gewisse Vorbehalte" im Präsidium, sagte eine Person mit Einblick in die Gespräche. Durch die Aufnahme zweier neuer Mitglieder könnte die Entscheidungsfähigkeit des Gremiums geschwächt werden. Das Präsidium würde dadurch schwerfälliger, gibt ein anderer Insider zu bedenken. Zudem könne man derzeit ohne Dolmetscher in deutscher Sprache konferieren.

Als "eigenartig" bezeichnete die Forderung aus Katar eine weitere mit der delikaten Causa befasste Person. "Die haben von Anfang an gewusst, worauf sie sich einlassen. Als Investor bist du auf dem Rücksitz."

Einer der Vertreter Katars ist der Chef von Qatar Airways, Akbar Al Baker, der als Freund des offenen Wortes gilt. Katar war vor einigen Jahren bei Volkswagen eingestiegen und hält 17 Prozent der Stimmrechte. Das Land Niedersachsen kommt auf 20 Prozent, die Familien Porsche und Piëch gemeinsam auf 52 Prozent.

So reserviert die Stimmung gegenüber den Abgesandten des Emirats, bei der Frauenquote sollen die Scheichs den Wolfsburgern aus der Patsche helfen: Nach dem Willen mehrerer Kapitalvertreter sollen die Araber dafür sorgen, dass das 20-köpfige Kontrollgremium die gesetzliche Frauenquote erfüllt. Die Frage drängt. VW-Präsident Pötsch kann von der Hauptversammlung am 22. Juni nur dann bestätigt werden, wenn auf der Kapitalseite eine weitere Frau ins Gremium kommt.

Die Männer mauern

Wer von den acht Männern Platz für eine Frau machen wird, ist laut Insidern ebenso offen, wie die Frage, welche Frau nominiert wird. Ein Rückzug eines der drei Familienvertreter – Pötsch, Ministerpräsident Weil oder Wirtschaftsminister Olaf Lies sei nicht absehbar, gelte als Zeichen der Schwäche. "Es gibt die Möglichkeit, dass Katar eine Frau schickt." Das sei den Vertretern Katars nahegelegt worden, heißt es unter Eingeweihten. Klarheit soll eine Aufsichtsratssitzung am 10. Mai bringen. VW, der Aufsichtsrat, der Betriebsrat, Katar und Niedersachsen lehnten Stellungnahmen ab. (dpa, Reuters, ung, 1.5.2016)

  • VW drohen durch den Skandal um manipulierte Abgaswerte hohe Strafen und Entschädigungszahlungen.
    foto: reuters/bensch

    VW drohen durch den Skandal um manipulierte Abgaswerte hohe Strafen und Entschädigungszahlungen.

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