Arbeitszeit in Österreich wird immer kürzer

1. Mai 2016, 12:59
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Die Anzahl der Wochen- und der Überstunden sinkt. Teilzeit steigt nur leicht, wird aber auch bei Männern zum Phänomen

Wien – Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt haben sich die Zeiten geändert. Einst als Musterland mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in der EU gefeiert, ist das Land mittlerweile auf den fünften Rang zurückgefallen. Entspannung ist laut Wirtschaftsforschern keine in Sicht, im Gegenteil: Die Arbeitslosigkeit steigt heuer gemäß Wifo-Langfristprognose von 9,1 Prozent im Vorjahr heuer auf 9,5 Prozent, um dann bis 2019 weiter auf zehn Prozent zu klettern.

Zudem werden – nicht nur am 1. Mai – Lohndruck und steigender Arbeitseinsatz beklagt. Ein Blick in das Zahlengerüst der Statistik Austria zeigt, dass die Arbeitszeit der Österreicher in den letzten Jahren nicht gestiegen ist. Die durchschnittlichen wöchentlichen Normalarbeitsstunden blieben im vierten Quartal 2015 mit 36,6 Stunden leicht unter dem Niveau des vierten Quartals 2014 (36,8 Stunden). 2013 waren es noch 37 Stunden in der Woche. Bei Vollzeitkräften gab es einen Rückgang von 43,1 auf 42,8 Stunden. Bei Teilzeit einen Anstieg von 20,3 auf 20,4 Stunden.

Beamte arbeiten mehr

Einen großen Unterschied gibt es dabei zwischen öffentlichem Dienst, in dem – Teil- und Vollzeit zusammengerechnet – durchschnittlich 39,5 Stunden pro Woche gearbeitet wird, und Angestellten, bei denen im Schnitt 35,1 Wochenstunden anfallen. Auch eine andere Einteilung ergibt große Diskrepanzen: Selbstständige kommen auf 41,7 Wochenstunden, Unselbstständige auf 35,9.

Von Oktober bis Dezember des Vorjahres wuchsen die Vollzeitjobs bei den unselbstständig Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 46.400 mehr als doppelt so stark wie Teilzeitstellen (plus 22.000). Auf alle Erwerbsformen (inklusive Selbstständige) gerechnet, erreichte die Teilzeitquote 28,2 Prozent und lag somit, dem langfristigen Trend entsprechend, höher als im Vorjahr (28,0 Prozent). Entgegen bisherigen Gewohnheiten sank aber die Teilzeitquote bei Frauen, während jene der Männer stieg. Insgesamt wurden im vierten Quartal 2015 2.999.600 Vollzeiterwerbstätige und 1.180.400 Teilzeiterwerbstätige gezählt.

Jüngere arbeiten weniger

Insgesamt wurden im vierten Quartal 2015 1.650 Millionen Arbeitsstunden geleistet. Das Arbeitsvolumen befand sich damit unter dem Niveau des Vorjahres (1.721 Millionen Stunden). Auch die Zahl der Überstunden lag mit 62 Millionen in diesem Quartal unter dem Wert des vierten Quartals 2014 (73 Millionen).

Ein langjähriger Vergleich zeigt, dass die Erwerbsbeteiligung stark gestiegen ist, obwohl Jüngere tendenziell weniger stark in den Arbeitsmarkt eingebunden sind als früher. So stieg die Erwerbstätigkeitsquote der 55- bis 64-Jährigen von 2007 bis 2015 von 26,5 auf 38,8 Prozent. Bei den 15- bis 24-Jährigen ging die Rate von 50,6 auf 48,7 Prozent zurück. (as, 1.5.2016)

Hinweis: In einer ersten Fassung wurde bei der Arbeitszeit ein Durchschnitt von Teil- und Vollzeit angegeben. Nachträglich wurden die Werte für beide Gruppen aufgeschlüsselt.

  • Die Überlastung der Erwerbstätigen muss andere Gründe haben: Die Überstunden nehmen jedenfalls ab.
    foto: reuters/hans punz

    Die Überlastung der Erwerbstätigen muss andere Gründe haben: Die Überstunden nehmen jedenfalls ab.

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