Österreichs Eishockey bleibt zweitklassig

29. April 2016, 19:25
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Erstmals seit 1991 verpasst die Nationalmannschaft den direkten Wiederaufstieg in die A-Gruppe – im entscheidenden Spiel gegen Slowenien gab es eine 1:2-Niederlage

Katowice – Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM der Division 1A in Kattowitz erstmals seit 1991 den Aufstieg verpasst. Die ÖEHV-Auswahl musste sich am Freitag im abschließenden Spiel Slowenien mit 1:2 (1:1, 0:1, 0:0) geschlagen geben und ist damit auch nächstes Jahr zweitklassig.

Konstantin Komarek brachte Österreich im Powerplay in Führung (5.), Robert Sabolic (11.) und Ken Ograjensek (28./PP) drehten die Partie zugunsten der Slowenen.

Teamchef Daniel Ratushny stellte alle seine Sturmlinien um, obwohl Komarek doch mitwirken konnte. Der Stürmer war gegen Polen nach einem Check gegen die Bande mit einer Oberkörperverletzung ausgeschieden und für das Spiel fraglich gewesen. Wie wertvoll der Salzburg-Center ist, bewies er schnell: In der fünften Minute nützte Komarek ein Powerplay zur frühen Führung (5.).

Es war verdient, denn die Österreicher zeigten eine starke Anfangsphase gegen den favorisierten Gegner. Erst in der 9. Minute gaben die Slowenen, bei denen sieben Ebel-Spieler im Team standen, den ersten Torschuss ab. Der zweite landete aber schon im Netz, Robert Sabolic ließ Torhüter Bernhard Starkbaum keine Chance (11.).

Am Ende nur Platz vier

Anfang des Mitteldrittels musste Verteidiger Alexander Pallestrang nach einem Foul an Andrej Hebar mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe vorzeitig in die Kabine. Im fünfminütigen Überzahlspiel der Slowenen funktionierte das rot-weiß-rote Penalty-Killing hervorragend – bis auf die letzten Sekunden. Ograjensek schoss die Slowenen zwölf Sekunden vor Ablauf der Strafe in Führung (28.).

Im Schlussdrittel kämpften die Österreicher um den einen Punkt, der Rang zwei gebracht und damit die Aufstiegschance am Leben erhalten hätte. Man erzeugte zunächst viel Druck auf das slowenische Tor, überstand danach zwei Unterzahlspiele, doch das erlösende Tor wollte im Finish auch trotz einer 6:4-Überzahlsituation nicht mehr gelingen.

Nach Polens 10:4-Kantersieg im Abendspiel gegen Absteiger Japan, beendet Österreich das Turnier nur auf dem vierten Rang.

Fragezeichen Italien

Neben Turniersieger Slowenien belegt auch Italien nach dem 2:1 gegen Südkorea einen Aufstiegsrang. Ob es dazu kommt, hängt vom Abschneiden von Frankreich und Deutschland bei der A-WM in Russland ab (ab 6. Mai). Die beiden WM-Gastgeber 2017 spielen in der Gruppe B in St. Petersburg und haben für nächstes Jahr einen Fixplatz unter den besten 16 Mannschaften. Wenn Frankreich und Deutschland in der Gruppenphase die Ränge sieben und acht belegen, würde es nur einen Aufsteiger aus der B-WM geben.

Ratushny will weitermachen

Ratushny will das Nationalteam auch weiterhin betreuen. Der 45-jährige Kanadier wechselt zwar als Klubtrainer von Meister Red Bull Salzburg nach Lausanne, möchte aber gerne seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag als Teamchef erfüllen. Der Kanadier glaubt, dass er von seinem neuen Arbeitgeber das Okay dafür bekommen wird.

"Ich hoffe, dass ich bei dieser Mannschaft blieben darf. Es ist ein Privileg, österreichischer Teamchef zu sein und mit diesen charakterstarken Spielern zu arbeiten. Wir müssen in den nächsten Tagen mit Lausanne und dem Verband reden, aber ich glaube, es ist alles auf Go für die Vorbereitung auf die Olympia-Qualifikation, sagte Ratushny am Freitag. (APA, red, 29.4.2016)

Eishockey-WM, Division 1A am Freitag:
Österreich – Slowenien 1:2 (1:1, 0:1, 0:0). Kattowitz, Spodek Arena, SR Kaukokari/Rohatsch (FIN/GER).

Tore: Komarek (5./PP) bzw. Sabolic (11.), Ograjensek (28./PP).

Strafminuten: 13 plus Spieldauerdisziplinar Pallestrang bzw. 8.

Österreich: Starkbaum – Ulmer, Viveiros; Schlacher, Bacher; Pallestrang, Lembacher; Fechtig – Hofer, Haudum, Lebler; St. Geier, Herburger, M. Geier; Kristler, Komarek, Ganahl; B. Petrik, Schiechl, Oberkofler

Slowenien: Kroselj – Kovacevic, Kranjc; Repe, Gregorc; Pretnar, Vidmar; Milovanovic – Jeglic, Ticar, Sabolic; Verlic, Pance, Urbas; Kuralt, Music, Ograjensek; Pesut, Hebar, Ropret

Italien – Südkorea 2:1 (1:0, 0:0, 1:1)

Tore: Ramoser (3./PP), Tudin (55.) bzw. Regan (57.)

Polen – Japan 10:4 (6:1,1:1,3:2)

Tore: Wronka (1.), Chmielewski (4./PP, 44./PP), Malasinski (7./SH), Kruczek (11.), Pasiut (13./SH), Dziubinski (18.), Baginski (24), Dronia (56.), Wajda (60./PP) bzw. Ueno (20.), Kawai (26./PP), Obara (42.), Nishiwaki (45./PP)

Tabelle:

1. Slowenien 5 4 0 0 1 18:8 10 12
2. Italien 5 3 0 0 2 11:10 1 9
3. Polen 5 3 0 0 2 17:12 5 9
4. Österreich 5 2 1 0 2 11:8 3 8
5. Südkorea 5 2 0 1 2 11:11 0 7
6. Japan 5 0 0 0 5 7:26 -19 0

Stimmen:

Daniel Ratushny (Teamchef Österreich): "Die Slowenen haben ihren Job erledigt, aber auch meine Spieler haben ein gutes Spiel gemacht, vielleicht das beste des Turniers. Wir waren die bessere Mannschaft. Ich habe ihnen gesagt, Kopf hoch. Sie haben hart gekämpft, sie haben es nicht verdient, deprimiert zu sein. Wir hatten drei Siege, dann ein Tief in den ersten 40 Minuten gegen Polen, aber ein sehr gutes letztes Drittel gegen Polen. Aber kein Tor gegen Polen, heute nur ein Tor. Wir müssen da einen Schritt machen. Die Defensive ist gut, wir brauchen aber auch Tore, das ist der Fokus für unsere Mannschaft."

Konstantin Komarek (Torschütze Österreich): "Heute waren wir klar die bessere Mannschaft, haben super gespielt. Der Schiri gibt fünf Minuten plus Spieldauer bei einem Check, der nicht einmal den Kopf berührt. Wir waren super in Unterzahl, die letzten zwölf Sekunden waren ein Scheißdreck. Wir haben fast keine Chancen zugelassen, haben die Scheibe vorne aber nicht reingebracht. Bis auf das Spiel gegen Polen haben wir ein gutes Turnier gespielt."

Markus Schlacher (Verteidiger Österreich): "Wir haben heute eine gute Partie gespielt, leider hat es unter dem Strich nicht gereicht. Im ersten Drittel hatten wir noch eine dicke Chance, wenn wir 2:0 führen, wird es ein anderes Spiel für Slowenien. 5 gegen 5 waren wir ebenbürtig, durch die Fünf-Minuten-Strafe ist das Momentum zu ihnen gerutscht. Wir müssen schauen, in allen Belangen besser zu werden, hinten, vorne, vor allem im Powerplay."

  • Österreichs Keeper Bernhard Starkbaum musste gegen Slowenien zweimal hinter sich greifen.
    foto: ap/josek

    Österreichs Keeper Bernhard Starkbaum musste gegen Slowenien zweimal hinter sich greifen.

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