Symphoniker im Musikverein: Klar wie ein Röntgenbefund

29. April 2016, 17:49
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Dirigent Ingo Metzmacher zeigte sein feines Gespür für Transparenz und Verdeutlichung von Strukturen

Wien – Es war bei der Programmplanung sicher nicht absehbar, dass im Präsidentschaftswahlkampf der Heimatbegriff verhandelt würde. Doch das Programm der Symphoniker bot hier – sowohl in der Zusammenstellung wie auch interpretatorisch – eine Querverbindung, zumal alle Stücke mit regionalen Themen und Klängen operierten. Dirigent Ingo Metzmacher zeigte auch in der Suite aus Leos Janáceks Oper Das schlaue Füchslein sein feines Gespür für Transparenz, Verdeutlichung von Strukturen und einer Klangbalance, die Wahrhaftigkeit über pure Schönheit stellt: will sagen, dass er gerade Rauheit und Brüche ins Licht rückt.

Unerhört interessant war aber auch eine Gegenüberstellung zweier "Sträuße" – des "Walzerkönigs" und des Münchner Tondichters und Opernkomponisten, deren Zugang zum Dreivierteltakt sie ebenso sehr verbindet wie trennt. Johann Strauß' Geschichten aus dem Wienerwald wurde von Metzmacher klar wie ein Röntgenbefund ausgebreitet – unter Umschiffung sämtlicher Kitschanklänge, aber doch ziemlich idiomatisch mit natürlich wirkendem Wiener Walzerrhythmus.

In Richard Strauss' Alpensymphonie führte derselbe Weg zu Stringenz: Auch hier versuchte sich Metzmacher nicht als emotionaler Überwältiger, sondern als Verdeutlicher – ungeheuer klar, sodass die zahlreichen inneren Querbezüge viel vernehmbarer wurden als in Interpretationen, die bei der Gefühls- und Klangintensität unkontrollierter auf die Tube drücken. Die Symphoniker lösten diese Anforderungen, die viel Kontrolle und Präzision nötig machen, fulminant ein – mit Homogenität und viel Strahlkraft, wobei Letztere sowohl von Dirigent als auch Orchester stets wohldosiert eingesetzt wurde. Dass Strauss' Musik – etwa bei den Herdenglocken – eine fast Mahler'sche Brüchigkeit erhielt, mehr Gefährdung als Idylle ausstrahlte, passte ins Bild. (daen, 29.4.2016)

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