"Roher" Asteroid kommt aus der Oortschen Wolke zurück

30. April 2016, 18:00
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C/2014 S3 (PANSTARRS) hat sich seit seiner Entstehung kaum verändert, weil er die meiste Zeit im "Gefrierfach" lag

Garching – Astronomen haben einen Asteroiden entdeckt, der seinen Ursprungszustand in außergewöhnlich hohem Ausmaß erhalten haben dürfte. Der Asteroid C/2014 S3 (PANSTARRS) dürfte sich einst zusammen mit der Erde und den anderen Gesteinsplaneten im inneren Sonnensystem gebildet haben, dann aber hinausgeschleudert worden sein, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) in Garching mitteilte. Die meiste Zeit verbrachte er in der Folge weit draußen, nämlich in der Oortschen Wolke.

Dort draußen entging der Asteroid dem ständigen Einfluss der Sonne: "Wir kennen bereits viele Asteroiden, aber sie wurden alle über Milliarden von Jahren in der Nähe der Sonne gebacken. Das ist der erste ungebackene Asteroid, den wir beobachten konnten", sagte die Erstautorin der in "Science Advances" veröffentlichten Studie, Karen Meech.

Die Identifizierung

C/2014 S3 (PANSTARRS) war urspünglich als Komet von geringer Aktivität identifiziert worden, der sich bei der Erstbeobachtung etwa doppelt so weit von der Sonne entfernt befand wie die Erde. Die Dauer seines aktuellen Orbits wurde auf 860 Jahre errechnet. Laut den Forschern dürfte er erst vor relativ kurzer Zeit auf diese Bahn gebracht worden sein – vermutlich durch Wechselwirkungen mit einem oder mehreren der unzähligen anderen Objekte, die in der Oortschen Wolke kreisen.

Genauere Beobachtung des Objekts zeigte, dass es sich um einen S-Typ-Asteroiden handelt, wie man sie im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter findet. Kometen haben einen deutlich höheren Anteil an Wassereis, dessen Sublimation in Sonnennähe ihnen ihre "Aktivität" verleiht. Bei C/2014 S3 (PANSTARRS) ist die Aktivität eine Million Mal geringer als bei gewöhnlichen Kometen aus der Oortschen Wolke.

Der Rückkehrer könnte laut ESO wichtige Anhaltspunkte liefern, wie sich das Sonnensystem gebildet hat. Den Forschern zufolge könnten Objekte, die noch heute ihre ursprüngliche chemische Zusammensetzung haben, unter anderem Hinweise darauf geben, wie das Wasser auf die Erde gekommen ist. (red, 30. 4. 2016)

  • Geradezu jungfräulich sieht der Asteroid C/2014 S3 (PANSTARRS) auf dieser Darstellung eines ESO-Illustrators aus.

    Geradezu jungfräulich sieht der Asteroid C/2014 S3 (PANSTARRS) auf dieser Darstellung eines ESO-Illustrators aus.

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