Pfeilgiftfrösche verlaufen sich beim Kaulquappentransport nie

30. April 2016, 13:00
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Wiener Forscher stellen fest, dass die kleinen Amphibien über ein räumliches Erinnerungsvermögen verfügen

Wien – Hierzulande pflanzen sich die meisten Frösche und Kröten in Tümpeln und Seen fort, die sie jedes Jahr an denselben Stellen vorfinden. Der Regenwald ist jedoch ein deutlich komplexerer Lebensraum mit stark wechselnden Bedingungen, wo gute Brutplätze eher unzuverlässig anzutreffen sind. Wie Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae) damit umgehen, haben Wissenschafter der Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Französisch-Guyana untersucht.

Pfeilgiftfrösche legen ihre Eier an Land ab und transportieren nach dem Schlüpfen die Kaulquappen auf dem Rücken zu weit verstreuten kleinen Wasserstellen im Regenwald. Um in einem so komplexen Lebensraum wie dem Regenwald gute Brutplätze wiederzufinden, müssen die kleinen Amphibien über ein bemerkenswertes Gedächtnis verfügen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Animal Behaviour".

Amphibien im Test

Andrius Pasukonis vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien und sein Team haben in ihrer Studie Frösche beim Kaulquappentransport verfolgt, um herauszufinden, ob sie räumliches Erinnerungsvermögen nutzen, um Wasserstellen für ihren Nachwuchs zu finden. Die Wissenschafter entfernten dazu eine Reihe von künstlich angelegten Wasserstellen, welche die ein bis fünf Zentimeter großen Frösche zuvor zum Ablegen ihrer Kaulquappen verwendet hatten.

"Wir haben sehr viele Frösche wieder exakt an den früher genutzten Wasserstellen angetroffen. Manche von ihnen sind dafür über 100 Meter weit gewandert", berichtet Pasukonis. Einige Frösche haben sich sogar bis zu sechs unterschiedliche Wasserstellen in rund 100 Metern Umkreis gemerkt. Die Studie zeige klar, dass bei Amphibien flexibles räumliches Erinnerungsvermögen eine wichtige Rolle beim Auffinden von Wasserstellen spielt, selbst in so komplexem Lebensräumen wie im tropischen Regenwald.

Weitere Aspekte

Abgesehen vom Gedächtnis könnte auch Geruch eine wichtige Rolle spielen: In der Studie zeigte sich, dass die Frösche auch bevorzugt Stellen aufsuchten, an denen die Wissenschafter etwa einen halben Meter über dem Boden Kübel mit vielen Kaulquappen aus den zuvor entfernten künstlichen Wasserstellen aufgehängt hatten. Dies deute darauf hin, dass sich Frösche auch von Geruch leiten lassen, um zuvor genutzte Wasserstellen wiederzufinden.

Erst kürzlich hatte Eva Ringler von der Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeuni an einer Pfeilgiftfrosch-Art das gute Gedächtnis von Frosch-Weibchen gezeigt, die sich genau merken, wohin sie ihre Eier gelegt haben und diese Gelege gezielt ansteuern, um ihren eigenen und nicht fremden Nachwuchs zu den Wasserstellen tragen. (APA, red, 30. 4. 2016)

  • Die auffälligen Farben von Pfeilgiftfröschen signalisieren Giftigkeit – ein Service, für den man dankbar sein sollte.
    foto: ap photo/wcs, julie larsen maher

    Die auffälligen Farben von Pfeilgiftfröschen signalisieren Giftigkeit – ein Service, für den man dankbar sein sollte.

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    foto: reuters/carlos jasso
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