"The First Avenger": Gemeinsam schwach

29. April 2016, 16:14
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Superhelden von der Stange: Auch "The First Avenger" hat damit ein Problem

Wien – Wer zur Rettung der Welt antritt, sollte mit Widerstand rechnen – nicht nur seitens jener, die mit ihren Allmachtsfantasien die Menschheit bedrohen, sondern auch aus den eigenen Reihen. Denn wie man dem Bösen gegenübertritt, daran können sich die guten Geister scheiden. Dann entscheidet über den Sieg nicht die richtige Taktik im Krieg, sondern der Preis, den man für den internen Frieden zu zahlen bereit ist.

foto: marvel
Kein Fehlersuchbild: Spider-Man erhöht mit dem Schild von Captain America das Superhelden-aufkommen in "The First Avenger: Civil War".

Als vor fünfzehn Jahren die digitale Kinotechnik noch für großes Staunen sorgte und Hollywood fantastische Welten zwischen Mittelerde und Hogwarts für sich entdeckte, stürmten auch erstmals die Superhelden flächendeckend über die Leinwände und boten sich als Identifikationsfiguren für den gesellschaftspolitischen Wandel an. Man konnte in Sam Raimis Spider-Man (2002) die Bürde der globalen Verantwortung auf den schmalen Schultern eines jungen Mannes spüren oder in Ang Lees Hulk (2003) wütend auf eine technokratische Welt sein, die keine Außenseiter duldet. Die von den Menschen gehassten und verfolgten X-Men (2000), jene Filmreihe über eine Gruppe von Mutanten mit jeweils außergewöhnlichen Fähigkeiten, war in dieser Hinsicht im wahrsten Sinne vorbildlich.

Doch im Laufe der Jahre sollten sich auf der Leinwand – und in den für das Blockbusterkino längst noch wichtigeren Verwertungsketten – erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen, was die beiden großen US-Comicverlage DC und Marvel nicht davon abhielt, das eigene Universum bis zum Rand abzuschöpfen. Zwar stampfte Christopher Nolan für DC noch erfolgreich eine komplette Batman-Saga aus dem Boden und zog Marvel nach den geschmähten Fantastic Four (2005) mit dem exzentrischen Einzelkämpfer Iron Man (2008) noch einmal ein Ass aus dem Ärmel, doch das stetig steigende Budgetvolumen sollte nicht vor Verfallserscheinungen schützen – im Gegenteil: Irgendwann schien es, als würden den Helden sogar die attraktiven Bösewichte ausgehen. Da brauchte es schon einen dem Selbstzerstörungstrieb verfallenen Heath Ledger als psychopathischen Joker, um in The Dark Knight (2008) als würdiger Gegner Batmans den eigenen Untergang zu zelebrieren.

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Trailer (deutsch).

Wahre Aufgaben

Als Marvel vor vier Jahren The Avengers auf der Leinwand rekrutierte und damit zum ersten Mal seine bis dahin eigenständig agierenden Superhelden als Team versammelte, war dies die logische Folge dieser Entwicklung. Die Truppe rund um Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey Jr.) und Black Widow (Scarlett Johansson), die sich in Comicform schon in den 1960er-Jahren in wechselnder Besetzung gefunden hatte, war das Ergebnis einer vor allem ökonomisch motivierten Bündelung der Kräfte. Zu erzählen gab es indes schon deutlich weniger als in den vorangegangenen Einzelmissionen.

Daran ändert sich auch in The First Avenger: Civil War (Regie: Anthony Russo, Joe Russo), dem nunmehr dritten Serienabenteuer, nichts. Was man gerade noch als Story bezeichnen könnte, kreist hier um die Frage, ob die Supertruppe, die gleich zu Beginn einen gehörigen Kollateralschaden in Lagos verursacht, zukünftig mit einem UN-Mandat ausgestattet werden soll – was nach intensiven Diskussionen und internen Duellen zu einer Lagerspaltung, diversen Scharmützeln und einem Finale mit großem Gedöns führt. Dass man dabei den gemeinsamen Feind beinahe übersieht, stört nicht weiter – was Daniel Brühl in diesem Film genau treibt, wird ohnehin nie ganz klar -, denn der Grabenkampf dient vor allem dazu, dass sich Marvel im großen Stil seines unerschöpflichen Figurenarsenals bedienen kann. Die einzige Aufgabe Spider-Mans in diesem Film ist sein Auftritt.

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Trailer (englisch).

Erst vor wenigen Wochen ließ DC mit Batman v Superman seine beiden populärsten Aushängeschilder gegeneinander antreten und bewies, dass zwei Superhelden keinen besseren Film ergeben als einer. Das mittlerweile zehnköpfige Avenger-Team steht der Konkurrenz jedenfalls in dieser Hinsicht in nichts nach. (Michael Pekler, 29.4.2016)

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