Glosse "Wortkunde": Notstand

Glosse30. April 2016, 09:00
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Als Notstand bezeichnet man den Zustand einer akuten Gefahr für rechtlich geschützte Interessen

Zwei Wochen ist es her, seit im ORF darüber diskutiert wurde, wie groß der Notstand im Land sei. Mittlerweile muss man sagen, er hat bedrohliche Ausmaße angenommen. Als Notstand bezeichnet man den Zustand einer akuten Gefahr für rechtlich geschützte Interessen, deren Abwendung nur auf Kosten fremder Interessen möglich ist.

Zu den Diskutanten zählten Heinz-Christian Strache, Josef Cap und Reinhold Lopatka, alle Experten, wenn es darum geht, eigene Interessen auf Kosten anderer abzusichern. Seit Wochen tun sie im Dienst des Landes kein Auge zu, mussten sogar persönlich um Notstandshilfe ansuchen. Trotz ihres aufopfernden Einsatzes leidet die Bevölkerung unter dem von Asylsuchenden verursachten Notstand.

Aus der FPÖ sickerte durch, dass manche ihrer Wähler sich nicht einmal mehr ihr "Heute" oder "Österreich" leisten könnten. "Es ist schrecklich, jetzt wissen sie nicht einmal mehr, wovor sie sich fürchten müssen", sagte ein sichtlich bewegter Sprecher der Partei. Doch der Notstand trifft nicht nur die Ärmsten.

In der Wiener Innenstadt soll es zu Hamsterkäufen gekommen sein. Pierre, ein Verkäufer bei Louis Vuitton, erzählte mit zitterndem Kinn von Damen, die ganze Kollektionen aufgekauft haben. "Wer weiß, ob die jemals nachkommen", zitiert er die Verzweifelten.

Auch ein Regalleiter vom Meinl am Graben berichtet von leergeräumten Kaviar- und Champagnerfächern. Nur noch Geschlader unter 70 Euro pro Flasche sei übrig. Eine Kundin habe ihm aufgelöst erzählt, dass sie wegen der Flüchtlinge selbst zur Asylsuchenden geworden sei. Aus Angst würde sie die nächsten Monate in der Ferienwohnung eines bekannten Ehepaares in Monaco verbringen, sei quasi eine Asylantin auf Zeit.

Ja, sogar das Seismologische Institut Wien bemerkt den Notstand, beziehungsweise eben nicht. Denn eine aus Scham oft verschwiegene Facette des Notstands ist der sexuelle Notstand. Nur ein einziger Bumser soll in den letzten beiden Wochen im Land aufgezeichnet worden sein. Und der stammte von einem Erdbeben. (Karl Fluch, 30.4.2016)

  • Zu den Diskutanten zum Thema Notstand zählten Heinz-Christian Strache, Josef Cap und Reinhold Lopatka, alle Experten, wenn es darum geht, eigene Interessen auf Kosten anderer abzusichern.
    foto: apa / robert jaeger

    Zu den Diskutanten zum Thema Notstand zählten Heinz-Christian Strache, Josef Cap und Reinhold Lopatka, alle Experten, wenn es darum geht, eigene Interessen auf Kosten anderer abzusichern.

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