Über das Lachen – in traurigen Zeiten

Kommentar der anderen30. April 2016, 17:00
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Am 1. Mai ist – auch, siehe Lochgott – der Welttag des Lachens. Eine Anregung

Wer lacht, weint nicht. Wir können nicht gleichzeitig traurig, zornig oder hasserfüllt sein und herzhaft lachen. Das Lachen erlöst uns, zumindest im Moment, aus negativen Gefühlen. Lachen und Humor schafft eine Distanz, einen anderen Blick auf unsere Wirklichkeit.

Nehmen wir uns ein Beispiel an Abraham Lincoln, der mitten im Bürgerkrieg sagte: "Gentlemen, warum lachen Sie nicht? Mit der schrecklichen Belastung, die ich Tag und Nacht tragen muss, würde ich ohne das Lachen zugrunde gehen, und Sie, Gentlemen, Sie brauchen diese Medizin genauso dringend wie ich."

Auch der Schauspieler und Autor Miguel Herz-Kestranek berichtet nach einem Abend, an dem er bei einem Auftritt mit dem wunderbaren Musiker Giora Feidmann jüdische Witze erzählte, dass am meisten gelacht wurde, wenn es um Tod und Sterben ging.

Wie es denn seinem Volk unter der chinesischen Herrschaft ginge, wurde der Dalai Lama gefragt. "They are killing us by the millions, ha ha ha ha!"

Lachen die Leute, so wie der Dalai Lama, bei diesen Themen, die doch eigentlich gar nicht zum Lachen sind? Ja, natürlich, sie müssen lachen, weil "gelacht wird über das, was über die Empörungs-Kapazität hinaus geht" (Peter Sloterdijk).

Aber nicht nur dann wird gelacht. Es gibt das befreiende Lachen nach einer großen Anspannung, es gibt das Verlegenheitslachen, das Lachen nach einem guten Witz und neben vielen anderen Arten des Lachens vor allem das verbindende, herzerwärmende Lachen über unsere eigenen Sorgen und Schwächen.

Im September 1910 besuchte der deutsche Kaiser Wilhelm II. den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in seinem Schloss Belvedere in Wien. Für die Unterhaltung nach dem Diner wurde der Burgschauspieler Otto Tressler engagiert. Er sollte dem Kaiser verschiedenste Arten des Lachens demonstrieren. Das verzweifelte, das triumphierende, das verlegene, das höhnische Lachen, obwohl perfekt vorgeführt, waren wirkungslos, der Kaiser verzog keine Miene, Tressler war in Panik, schließlich, in letzter Verzweiflung, versuchte er das lustige Lachen! Willem Zwo fiel fast vom Stuhl vor Vergnügen, schlug sich auf den Schenkel und die Atmosphäre des bis dahin steifen Abends war mit einem Schlag gerettet.

Mediziner sind bemüht, die positiven Wirkungen des Lachens auf Blutdruck, Kreislauf, das Immunsystem und was es sonst noch an Körperfunktionen gibt, darzustellen. Patch Adams, der weltbekannte amerikanische Doktor-Clown und Arzt, staunt immer wieder über dieses Bedürfnis, das Offensichtliche beweisen zu wollen. Für das Wohlbefinden des Menschen, ob gesund, krank, jung oder alt steht der Humor stets an erster Stelle. Dafür benötigt man sicher keine wissenschaftlichen Untersuchungen, das weiß jeder aus eigener Erfahrung.

Respektiert und geachtet werden Schauspieler, Wissenschafter, Künstler. Geliebt aber werden die, die uns zum Lachen bringen. (Monika Culen, 30.4.2016)

Monika Culen ist Gründerin von zehn Rote-Nasen-Organisationen in Europa und im Mittleren Osten.

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