Wie wäre es mit einer Art "Null Toleranz"-Strategie?

Kolumne1. Mai 2016, 09:00
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Wiens Status als sicherer Ort ist in Gefahr

Wien ist eine sichere Stadt. Immer noch. Dasselbe gilt für die größeren Städte. Dennoch kann niemand, der mit offenen Augen durch die Städte geht, eine Verschlechterung der Lebensqualität verleugnen.

Das beginnt bei einem gewissen aggressiven Typus von jungen osteuropäischen Bettlern, die kein "Nein" akzeptieren. Zur Routine ist es schon geworden, dass Banden von hier geborenen jungen Leuten (mit oder ohne Migrationshintergrund) anderen Jugendlichen die Handys rauben und oft dabei gewalttätig werden. Dazu Trickster, die Menschen unangenehm nahekommen.

Die Drogendealerszene (vor allem am Wiener Gürtel) blieb wegen eines falsch formulierten Gesetzes bis vor Kurzem fast unbehelligt. An diversen Hotspots in Wien kam es zu schweren Gewalttaten zwischen Banden unterschiedlicher Ethnien. Und schließlich häufen sich Übergriffe auf Frauen, nicht nur, aber öfter durch Asylwerber aus muslimischen Ländern.

In diesem Zusammenhang ein Einschub: Die Stadtzeitung Falter wurde jetzt von einem Senat des Presserates für ein gezeichnetes Cover verurteilt, auf dem dunkelhaarige Männer zu sehen waren, die massenhaft Frauen bedrängten. Das sei "Diskriminierung". Festzuhalten ist, dass diese beinahe ritualisierten Übergriffe, die einen eigenen Namen haben ("Taharrush gamea") im arabischen Raum soziale Realität sind (davon gibt es etliche Videos auf YouTube sowie Reportagen in seriösen Zeitungen); und dass die Zeichnerin (wie andere auch) das selbst vor Ort erfahren konnte. Als Mitglied eines anderen Senats des Presserats halte ich daher diese Verurteilung für falsch.

Verglichen mit anderen europäischen Großstädten ist die Situation bei uns (noch) nicht dramatisch. Aber der Status als sicherer Ort ist in Gefahr. Über die politischen Folgen muss man nicht reden ... In diesem Zusammenhang erinnert man sich an die Strategie der "Null Toleranz", die in den Neunzigerjahren von der New Yorker Polizei auf dem Höhepunkt einer Verbrechenswelle durchgeführt wurde. Auf Basis der Theorie, dass schon die Duldung von Kleinstkriminalität und der Verwahrlosung der Städte eine Spirale schwererer Verbrechen in Gang setzt, ging die Polizei dazu über, auch kleinere Vergehen und Ordnungswidrigkeiten sofort zu ahnden. Zum Beispiel wurde Kleindealern sofort das Geld abgenommen und ihr Fahrzeug eingezogen; darüber hinaus wurden ihnen Hausverbote erteilt. Aggressive Bettler oder Menschen, die die öffentliche Ordnung störten, wurden vor Schnellgerichte gebracht, Graffiti sofort entfernt.

Studien leugnen, dass deswegen die Schwerkriminalität so zurückgegangen ist, wie sie ist. Dass aber New York ein viel angenehmerer Ort geworden ist, kann jeder Besucher, der vor 25 Jahren und heute dort war, bestätigen.

Soll heißen: Es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man auch bei uns nicht zu einer gewissen "Null Toleranz"-Strategie übergehen sollte. Zeitlich begrenzt, aber konsequent und als Signal an jene, die die Grenzen des sozial verträglichen Verhaltens überschreiten und den öffentlichen Raum terrorisieren. (Hans Rauscher, 29.4.2016)

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