Angesteckt: Elektroautos werden beliebter

29. April 2016, 12:56
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Neuzulassungen in der EU sind im ersten Quartal um mehr als ein Viertel angestiegen. In Österreich wurden fast doppelt so viele Fahrzeuge neu zugelassen

Brüssel – Elektroautos erfreuen sich in der Europäischen Union wachsender Beliebtheit. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden 35.730 Neuzulassungen registriert. Das waren um rund 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der europäische Branchenverband Acea am Freitag mitteilte.

Am meisten Elektrofahrzeuge kamen im ersten Quartal in Großbritannien neu auf die Straße. Dort ließen Zulassungsstellen 10.639 Wagen zu (plus 23 Prozent). Deutschland lag mit 5.849 Neuzulassungen (plus 28,6 Prozent) auf Rang drei hinter Frankreich (8.117, plus 117,2 Prozent). In Österreich wurden im ersten Quartal 1.264 Elektrofahrzeuge (+97,8 Prozent) neu zugelassen

Anteil noch niedrig

Trotz des Zuwachses bleibt der Anteil der Elektroautos am Pkw-Markt insgesamt noch sehr niedrig. Alles in allem wurden in der EU im ersten Quartal nämlich 3,8 Millionen Neuzulassungen registriert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entsprach dies einem Plus von 8,2 Prozent.

Noch höhere Zuwachsraten als die reinen Elektroautos hatten zuletzt Hybridfahrzeuge, die den Stromantrieb mit einem Verbrennungsmotor kombinieren. Die Zahl der Zulassungen stieg im ersten Quartal um rund 30 Prozent auf 69.530.

Kaufanreize drohen zu verpuffen

Indes droht die von der deutschen Regierung und Automobilindustrie beschlossene Kaufprämie für Elektroautos einer Studie zufolge zu verpuffen. Jeder siebente Verbraucher in Deutschland spiele zwar mit dem Gedanken, sich einen batteriebetriebenen Wagen zuzulegen. Für mehr als die Hälfte der Interessenten sind Kaufprämien und steuerliche Vergünstigungen jedoch kein Grund für die Wahl eines Elektroautos.

Entscheidend seien hingegen Umweltaspekte und geringere Unterhaltskosten im Vergleich zu Wagen mit Benzin- oder Dieselmotoren, wie aus einer am Freitag in Nürnberg veröffentlichten Befragung der GfK-Marktforschung hervorgeht.

Zwei Drittel der Befragten empfinden demnach die hohen Anschaffungskosten von Elektroautos als wesentliche Hürde. Daran ändere eine Kaufprämie wenig. Denn gegen eine höhere Akzeptanz von Elektroautos sprächen die geringe Reichweite und lange Batterieladezeiten. Eine wichtige Rolle bei der Anschaffung spiele die Infrastruktur, wenn es um die Wahl des Antriebs gehe. Rund die Hälfte der Verbraucher sei der Auffassung, dass das Netz an Ladestationen noch unzureichend sei. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer Befragung Anfang April.

Kaufprämie von 4.000 Euro

Die deutsche Regierung und Autoindustrie wollen die Deutschen mit einer Prämie von 4.000 Euro zum Kauf von Elektro-Fahrzeugen bewegen. Darauf hatten sich beide Seiten in einem Spitzengespräch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen verständigt. Gelten soll der Kaufanreiz ab Mai. Damit sollen die vergleichsweise teuren Elektro-Autos billiger und attraktiver werden. Ob das Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 damit erreicht werden kann, wird allerdings bezweifelt.

Der Zulieferer Continental geht davon aus, dass reine Elektroautos in den nächsten Jahren weiter ein Nischendasein fristen werden. Als Gründe nannte Vorstandschef Elmar Degenhart am Freitag vor den Aktionären zu hohe Kosten und einen zu geringen Energiegehalt der Batterien. Um sich durchzusetzen, müssten reine Elektroautos mit einer Batterieladung mindestens 500 Kilometer weit fahren. "Und zwar real auf der Straße! Nicht im Labor", betonte der Conti-Chef. Als Übergangslösung sei deshalb die Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem Elektroantrieb nötig. Solche Hybridautos sind immer mehr gefragt. (APA, Reuters, 29.4.2016)

  • In Österreich wurden im ersten Quartal fast doppelt so viele Elektrofahrzeuge neu zugelassen wie im Jahr zuvor.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jan woitas

    In Österreich wurden im ersten Quartal fast doppelt so viele Elektrofahrzeuge neu zugelassen wie im Jahr zuvor.

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