Lungentumor bei Operation im Mutterleib entfernt

29. April 2016, 12:26
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Schweizer Chirurgen haben ein ungeborenes Kind im Uterus der Mutter an der Lunge operiert. Der Junge kam nun gesund zu Welt

Im Februar haben zwei Ärzte für fetomaternale Medizin ein ungeborenes Kind im Bauch seiner Mutter operiert. Ein gutartiger Lungentumor hat das Herz des Kindes lebensgefährlich belastet. Ohne Eingriff hätte der Junge nicht überleben können, eine Entbindung oder ein Abwarten sei damals keine Option gewesen, heißt es in einer Aussendung des Universitätsspitals Bern.

Das Besondere an dem Eingriff: Bis dahin hatten die beiden Chirurgen meist eineiige Zwillinge im Uterus operiert, die durch den Mutterkuchen unausgewogen untereinander Blut austauschten. Dieses sogenannte "Zwillingstransfusionssyndrom" führt ohne Eingriff in den meisten Fällen zum Tod eines oder beider Kinder. Gelingt es jedoch bestimmte Blutgefässe in der Plazenta mit einem Laser zu veröden, gleicht sich die Blutzufuhr der Babies wieder aus. Die Kinder haben wieder eine gute Chance zu gedeihen und gesund zur Welt zu kommen.

Ständiger Blick auf den Ultraschall

Die Berner Frauenklinik bietet diese Art des fetoskopischen Lasereinigriffs seit den späten 1990er-Jahren an. Mit einer ähnlichen Technik operierten die beiden Chirurgen nun den Lungentumor. Diesmal aber fand die Operation mitten im Körper des Kindes statt, in unmittelbarer Nähe zum Herzen und der Hauptschlagader. Es musste daher noch präziser und mit ständigem Blick auf den Ultraschall gearbeitet werden. Doch der Eingriff gelang und der Lungentumor wurde von der Blutzufuhr abgeschnitten.

In den folgenden Wochen wurde das absterbende Gewebe kleiner, das Herz des Kindes erholte sich wieder. Am 13. April kam der Junge gesund zur Welt. Die Operation war die erste dieser Art in der Schweiz. Weltweit wurden lediglich 17 Fälle beschrieben mit unterschiedlich guten Resultaten.

Die beiden Chirurgen der Univiersitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital (Bern) und des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (Lausanne) operieren seit drei Jahren Babies in der Gebärmutter. "Der eine wird zum Auge, der andere zur Hand der Operation – und umgekehrt", heißt es in der Aussendung. (idw, 29.4.2016)

  • Durch die Bauchwand der Mutter und den Brustkorb des Kindes wird eine Nadel eingeführt. Durch diese können die Chirurgen einen Laser direkt an die Blutzufuhr des Tumors platzieren.
    foto: gilbert maurer/centre hospitalier universitaire vaudois

    Durch die Bauchwand der Mutter und den Brustkorb des Kindes wird eine Nadel eingeführt. Durch diese können die Chirurgen einen Laser direkt an die Blutzufuhr des Tumors platzieren.

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