Datenschützer warnen: Snapchat kann mit Nutzerfotos werben

29. April 2016, 12:24
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Messenger, der Nachrichten automatisch löscht, verlangt umfangreichen Zugriff auf Daten

Snapchat ist die App der Stunde. Der Messenger, bei dem Nachrichten nach gewisser Zeit automatisch gelöscht werden, ist bei Jugendlichen besonders populär. Und auch Erwachsene kommen zunehmend auf den Geschmack. Dabei stellen Datenschützer Snapchat schlechte Noten aus. Die App sammelt viele Daten und kann sie auch für Werbezwecke weiterverwenden.

Unternehmen kann jederzeit auf Inhalte zugreifen

Das Jugendmagazin "Checked4you" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat sich die App und ihre Nutzungsbedingungen näher angesehen. Die Nachrichten werden zwar nach einer gewissen Zeit gelöscht und Snapchat betont in einem Blogeintrag von 2015, keine privaten Snaps zu speichern oder weiterzugeben. In den Nutzungsbedingungen heißt es allerdings "jederzeit und aus beliebigem Grund auf deine Inhalte zugreifen und diese prüfen, einsehen und löschen" zu können. Und das, obwohl man nicht dazu verpflichtet sei, wie extra betont wird. In den Beschreibungen der App wird auch darauf hingewiesen, dass andere Nutzer Nachrichten durch Screenshots "immer erfassen und speichern" können.

Zugriff auf Metadaten und Kontakte

Zur Personalisierung der Inhalte erfasst Snapchat etwa von welchem Gerät aus man den Dienst nutzt, wie lange und welche Websites in Zusammenhang mit Snapchat-Diensten aufgerufen werden. Die Daten nutzt Snapchat unter anderem, um angezeigte Inhalte wie Werbung anzupassen und um Freunde und Profilinfos vorzuschlagen. Der Dienst analysiert und speichert auch wem man wann die meisten Nachrichten schickt und ob man Screenshots anderer Postings speichert.

Sofern man den Zugriff auf Kontakte erlaubt, werden die Telefonnummern mit Snapchat-Profilen abgeglichen. "Nutzern, die auch deine Nummer in ihrem Adressbuch gespeichert haben, könnten Informationen über dich geschickt bekommen. Welche Infos das sein könnten, steht nicht in den Datenschutzbestimmungen", so die Datenschützer.

"Wenn uns z. B. ein anderer Nutzer erlaubt, Daten aus dem Telefonbuch seines Geräts zu erfassen und du zu seinen Kontakten gehörst, kann es sein, dass wir die aus dem Telefonbuch dieses Benutzers erfassten Daten mit den Daten, die wir von dir haben, kombinieren", heißt es dazu weiters in den Nutzungsbedingungen.

Nutzung der Inhalte

Um den Dienst verwenden zu können, müssen Nutzer Snapchat viele Rechte einräumen. Diese dienen einerseits, um den Service überhaupt betreiben zu können. Andererseits auch, um damit Werbung zu machen. In den Nutzungsbedingungen schreibt das Unternehmen, dass man Inhalte unter anderem speichern, verteilen und verändern darf auch um die Services des Unternehmens zu bewerben. In dem Blogeintrag erklärte das Unternehmen, dass privat verschickte Snaps zumindest nicht mit dritten Werbern oder Partnerunternehmen geteilt werden.

Snapchat und auch dessen Geschäftspartner dürfen allerdings Namen, Bild und Stimme eines Nutzers selbst erstellten Lokal-Geschichten verwenden, die öffentlich sind. "Ganz klar gesagt: Snapchat darf deine versendeten Bilder (oder solche, auf denen du zu sehen bist) auf Plakate an Bushaltestellen drucken und damit Werbung für seine Dienste machen", warnen die deutschen Datenschützer.

Alternativen

Als Alternative empfehlen die Datenschützer den verschlüsselten Dienst Simsme aus Deutschland, bei dem Nachrichten ebenfalls gelöscht werden. Sowie den Schweizer Dienst Threema, bei dem ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz kommt. Hier werden die Nachrichten aber nicht automatisch gelöscht. (red, 29.4.2016)

  • Datenschützer stellen Snapchat kein gutes Zeugnis aus.
    foto: entwickler

    Datenschützer stellen Snapchat kein gutes Zeugnis aus.

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