Neue Gebühren, weniger Bankomaten: Sorge ums Geld wächst

29. April 2016, 12:59
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In der Bevölkerung extrem unpopulär, wird sie trotzdem von den Banken sondiert: die Gebühr beim Geldautomaten

Es ist ein ziemliches Politikum, und die meisten Bankkunden sind stark verärgert über die Idee, bei der Bankomatenabhebung Geld zu verlangen. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) will am Montag die Banken zu sich rufen und über die Idee reden. Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) ist für den Konsumentenschutz zuständig und auch bereits vorgeprescht: Das komme überhaupt nicht infrage, sagte er dem ORF am Donnerstagabend. Vorsorglich will er eine Bankomatgebühr gesetzlich verbieten lassen. In Portugal ist ein solches Verbot bereits in Anwendung.

Freilich, wenn die Niedrigzinsphase anhält, müssen die Banken ihr Gebührenmodell überdenken. Eine Gebühr fürs Geldabheben beim Bankomaten ist da eine Option. Zuerst einmal will man den Kunden an die eigene Bank lotsen: Nur wenn er bei einer fremden Bank Geld behebt, soll eine Gebühr von ein, zwei Euro verrechnet werden. Das wird bereits bei vielen Banken in Deutschland praktiziert – und vereinzelt auch in Österreich: In Tirol kassiert die dort auf dem Bankomatensektor dominante Raiffeisenlandesbank Tirol eine Gebühr, wenn der Bankkunde sich bei einem anderen Bankomatanbieter Geld holt.

Hohe Bankomatendichte

Rund 7.600 Bankomaten gibt es in Österreich. Eine ganze Menge, heißt es. Damit kommen zehn Bankomaten auf 10.000 Einwohner, erklärt man bei der Payment Services Austria, der Gesellschaft, die den Großteil der Bankomatsysteme in Österreich beziehungsweise das Netzwerk dahinter betreut. In Schweden zum Beispiel gebe es nur drei Geräte pro 10.000 Einwohner. Dort wird aber auch viel mit Kreditkarte gezahlt.

Also gibt es in Österreich noch Luft nach unten. Obwohl viele Bankomatkartenbesitzer neuerdings das Gefühl haben, dass mit der Schließung von Bankfilialen auch die Dichte an Automaten rapide zurückgeht und man in Wien ganze Straßenzüge lang nach Geld suchen muss. In vielen kleinen Orten, in denen es keine Bank mehr gibt, gibt es auch keinen Geldautomaten.

Erste Gemeindeämter mit Bankomaten

Es gibt zwar noch zwei bankunabhängige Anbieter aus den USA, Euronet und First Data, die in Österreich nochmals 1.300 Automaten betreiben, allerdings vornehmlich an Plätzen mit hoher Frequenz, in Supermärkten oder Einkaufszentren. Dabei zahlen sich die Besitzer von Supermarkt und Shoppingcenter dafür, dass ein Geldautomat aufgestellt wird. Oder der Bankomatbetreiber verlangt einen garantierten Umsatz beziehungsweise eine garantierte Anzahl an Behebungen. Erste Spitäler haben solche Bankomaten, etwa das SMZ Ost, und auch Bahnhöfe. Auch die ersten Gemeindeämter leisten sich diesen Spaß, etwa in St. Oswald und Wald am Schoberpass.

Dass es immer weniger Bankomaten gibt und für das Geldabheben auch noch Gebühren verlangt werden, ist eine Entwicklung, mit der mehr oder weniger sanft zum bargeldlosen Zahlen und damit zur Aufgabe des Bargelds gedrängt wird. Praktisch jedes Geschäft hat mittlerweile eine Bankomatkassa. Weit mehr als 100.000 Zahlungsvorgänge werden im Jahr dort ohne Münzen und Scheine abgewickelt. (Johanna Ruzicka, 29.4.2016)

  • Einen Euro könnten die Banken bald dafür verlangen, wenn man bei einem Automaten einer Fremdbank Geld behebt.
    foto: apa/fohringer

    Einen Euro könnten die Banken bald dafür verlangen, wenn man bei einem Automaten einer Fremdbank Geld behebt.

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