Warum McLaren teure Sportwägen mit Steinzeit-Laptops wartet

30. April 2016, 09:39
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Bis heute dienen alte Compaq-Notebooks mit MS-DOS, um Diagnosen für den McLaren F1 durchzuführen

Der Name "McLaren" lässt vor allem die Herzen von Formel 1-Fans höher schlagen. Gemeinsam mit Honda stellt man hier ein eigenes Team, das Jahr für Jahr versucht, vorne mitzufahren. Was viele nicht wissen: McLaren hat auch schon Autos abseits des Rennsports gebaut.

Nach drei Jahren Entwicklung stellte man 1993 den McLaren F1 vor. Das Auto mit seinem bis heute futuristisch wirkenden Look, inklusive Flügeltüren und erstmaliger Verwendung einer Kohlefaser-Karosserie (CFK), wurde von Gordon Murray entwickelt. Dieser war damals auch für die Formel 1-Wägen des Herstellers verantwortlich. Der Großteil der 106 Stück starken Produktion wurde tatsächlich für die Straße zugelassen, der Rest kam in adaptierter Form in der GT1-Rennserie zum Einsatz.

DOS-Laptop für Luxusauto

1,5 Millionen Deutsche Mark (oder rund 750.000 Euro) legte damals der erste Kunde hin. Bis heute sind viele F1 noch in Betrieb, ihr Stückwert wird auf über zehn Millionen Dollar geschätzt, berichtet Gizmodo. McLaren hat sich verpflichtet, die Autos auch weiter zu warten. Ein Herzstück der zuständigen Technikabteilung sind Laptops mit MS-DOS.

Und zwar handelt es sich um eine spezielle Variante des Compaq LTE 5280. Das Gerät wurde in den frühen 1990ern produziert und wirkt nach heutigen Standards beinahe archaisch. McLaren greift darauf zurück, weil sie mit einer eigens angefertigten und integrierten Erweiterungskarte (CA-Card) laufen, die es ermöglicht, die DOS-basierte Wartungssoftware für Kontroll- und Adjustierungszwecke mit dem Auto zu verkabeln.

Neues Interface in Entwicklung

Für das Unternehmen wird dies langsam zu einem Problem. Der Laptop wird längst nicht mehr hergestellt und man muss tausende Euro für solche Sondermodelle ausgeben, während die normale Variante auf eBay für wenige hundert Euro zu erstehen ist.

"Wir arbeiten derzeit an einem neuen Interface, das mit neuen Laptops kompatibel ist", heißt es dazu vom Autohersteller gegenüber Gizmodo. Denn es sei immer schwerer, die benötigten alten Laptops aufzutreiben, dazu würden sie auch immer unzuverlässiger arbeiten. Bis man die Entwicklung abgeschlossen hat müssen die Millionen teuren Autos allerdings weiter mit Equipment aus der Technik-Steinzeit gepflegt werden. (gpi, 30.04.2016)

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