Clintons Suche nach der Nummer zwei

30. April 2016, 15:00
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Je näher das Ziel für die Favoritin der Demokraten rückt, desto eher stellt sich die Frage, wer ihr Running Mate sein soll. Eine Auswahl

Noch hat Hillary Clinton den Sieg nicht in der Tasche, aber zumindest scheint er so greifbar nahe, dass ihr Wahlkampfteam bereits über mögliche Vize-Kandidatinnen und Kandidaten nachdenkt. Die "New York Times" hat sich in der Demokratischen Partei, bei Clintons Verbündeten und Beratern umgehört und die potenziellen Running Mates auf ihre Qualifikationen hin abgeklopft. Die Liste der Nummer-zwei-Kandidaten umfasst:

foto: ap/j. scott applewhite

Name: Sherrod Brown

Funktion: seit 2007 Senator aus Ohio, zuvor Abgeordneter im Repräsentantenhaus.

Was für ihn spricht ... Brown hat sich einen Namen gemacht als Kandidat der Arbeiter, der mit Mittelklasse- und Klassenkampf-Argumenten vor allem am linken Rand der Partei wahlkämpft. Dennoch galt seine Wahlempfehlung im vergangenen Oktober Clinton und nicht dem selbsternannten "sozialistischen Demokraten" Bernie Sanders.

... und was dagegen: Gibt Brown seinen Sitz im Senat auf, rückt ein Republikaner nach, was die ohnehin in der Unterzahl befindlichen Demokraten weiter schwächt. Zudem spricht sein Alter (63) eher gegen ihn. Sein Name hält sich allerdings hartnäckig in allen Gerüchten, obwohl er selbst bereist mehrmals Spekulationen zurückgewiesen hat. Er sei "gerührt", habe aber "kein wirkliches Interesse" an dem Job.

foto: apa afp getty images justin sull

Name: Julián Castro

Funktion: seit 2014 Minister für Wohnungsbau- und Stadtentwicklung, zuvor Bürgermeister der Stadt San Antonio in Texas.

Was für ihn spricht ... gilt als telegen und exzellenter Redner. Castro ist mexikanischer Abstammung und spricht somit auch die zunehmend einflussreiche Latino-Bevölkerung in den USA an.

... und was dagegen: Castro ist 41 und eine der eher spärlich gesäten demokratischen Nachwuchshoffnungen, allerdings erst in fernerer Zukunft, da er in seinem Auftreten oftmals sehr jung wirkt und als unerfahren gilt.

foto: reuters joshua roberts

Name: Tim Kaine

Funktion: Senator aus sowie zuvor Gouverneur von Virgina.

Was für ihn spricht ... Er ist ein beliebter Senator aus einem wichtigen Swing State, zudem spricht er fließend Spanisch, was einen erheblichen Pluspunkt in Sachen Hispanics-Wählerstimmen bringen würde.

... und was dagegen: Kaine gilt als zu moderat, einige seiner Positionen – etwa sein Eintreten für mehr Freihandel – stehen diametral zum derzeitigen Zeitgeist.

foto: ap/susan walsh

Name: Amy Klobuchar

Funktion: sitzt seit 2007 für den Bundesstaat Minnesota im Senat.

Was für sie spricht ... Eine Frau als Präsidentschaftskandidatin und eine Frau als ihre Vizekandidatin – das wäre ein überaus starkes Zeichen. Ihr Sitz im Senat würde im Gegensatz zu jenem von Sherrod Brown nicht an einen Republikaner gehen.

... und was dagegen: Minnesota, der Bundesstaat an der Grenze zu Kanada, spielt keine wichtige Rolle im Präsidentschaftswahlkampf, Klobuchar dürfte auf nationaler Ebene zu unbekannt sein.

foto: apa/afp/saul loeb

Name: Deval Patrick

Funktion: bis 2015 der 71. Gouverneur von Massachusetts.

Was für ihn spricht ... Patrick war der erste Afroamerikaner im Amt des Gouverneurs von Massachusetts und der zweite – mittels einer Wahl fürs Amt bestimmte – afroamerikanische Gouverneur der Vereinigten Staaten überhaupt. Er entstammt einer armen Chicagoer Familie. Auch seine Kandidatur wäre ein starkes Statement.

... und was dagegen: Patrick hat ebenso wie Amy Klobuchar keinen wichtigen Bundesstaat im Rücken. Problematischer allerdings ist wohl sein Wechsel in die Finanzwelt, präzise: zum Finanzinvestor Bain Capital, der von Mitt Romney gegründet worden ist und sich oftmals mit der Kritik konfrontiert sah, diverse Unternehmen ausgebeutet und deren Bankrott verschuldet zu haben.

foto: ap/jacquelyn martin

Name: Thomas E. Perez

Funktion: seit 2013 Arbeitsminister der Obama-Regierung, zuvor im Justizministerium tätig, bekannt als Anwalt, der sich für Bürgerrechte einsetzt.

Was für ihn spricht ... Perez ist der Sohn dominikanischer Einwanderer – einer mehr also, der die wichtige Latino-Wählergruppe ansprechen würde. Gilt als beliebt und intelligent.

... und was dagegen: Perez gilt gleichzeitig als zu unbekannt und zu unerfahren, er stammt außerdem aus Buffalo, New York, womit er ebenso nicht mit einem wichtigen Bundesstaat auftrumpfen kann.

foto: ap/steve helber

Name: Mark Warner

Funktion: früher Gouverneur von Virginia, inzwischen Senator.

Was für ihn spricht ... Warner war bereits 2006 – neben Hillary Clinton – als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten für die Wahl 2008 im Gespräch. Er ist erfahren und genießt auch unter progressiven Wählern große Beliebtheit.

... und was dagegen: Er ist erstens sehr reich und tritt zweitens für Freihandel ein, womit man sich sowohl auf republikanischer Seite als auch unter Bernie-Sanders-Anhängern schnell Feinde macht.

foto: reuters/jonathan ernst

Name: Elizabeth Warren

Funktion: sitzt seit 2013 für Massachusetts im Senat.

Was für sie spricht ... Erstens der Frauen-Faktor und zweitens die Tatsache, dass sie der "Superstar der progressiven Linken" ist (Credit: "New York Times"), wodurch ihr am ehesten zugetraut wird, die Sanders-Wähler einzufangen.

... und was dagegen: Die Chemie zwischen Warren und Clinton soll nicht die beste sein, zudem herrscht auch die Befürchtung vor, dass Warren die Partei zu weit nach links rücken würde. (giu, 30.4.2016)

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