Kind und Job sind in Westösterreich schwerer vereinbar

5. Mai 2016, 09:00
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Analysen zufolge haben Kindergärten und -krippen in Tirol und Vorarlberg vergleichsweise kurz geöffnet

Familienfreundlichkeit sei ein wichtiger Standort- und Wettbewerbsfaktor im Kampf um die besten Köpfe, insbesondere in Tirol, meinte Familienministerin Sophie Karmasin vergangene Woche bei einer Pressekonferenz. Tatsächlich zeigen Umfragen, wie zuletzt etwa die von Hajek Public Opinion Solutions, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleich nach einer guten Bezahlung der wichtigste Faktor bei der Jobauswahl ist. Über 37 Millionen Euro nehmen Bund und Land also in die Hand, um bis 2017 das Angebot in Tirol weiter auszubauen. Auch Vorarlberg will die Bedingungen verbessern: Neue Betreuungsplätze sollen geschaffen, die Qualität der bestehenden soll verbessert werden, so das Ziel der schwarz-grünen Landesregierung.

Beschwerliche Suche

Und dafür scheint es auch höchste Zeit zu sein, denn in den westlichen Bundesländern Österreichs liegt in puncto Kinderbetreuung derzeit offenbar einiges im Argen. Gemeindevertreter monierten vor einigen Monaten etwa im Vorarlberger Lustenau, dass mehrere Dutzend Kinder von null bis drei Jahren im Herbst 2015 keinen Platz in einer Einrichtung erhalten hätten. Inzwischen hätte sich die Situation zwar etwas verbessert, heißt es auf STANDARD-Anfrage – das Angebot wurde ausgebaut – die Suche sei aber immer noch beschwerlich. Vor allem ganztägige Betreuung sei kaum vorhanden.

Weniger als acht Stunden

Auf schlechte Bedingungen bei den Öffnungszeiten verweist auch Markus Kaindl vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF). Das ÖIF analysiert in regelmäßigen Abständen die Betreuungssituation unter sechsjähriger Kinder im Bundesländervergleich. Einrichtungen in Vorarlberg und Tirol würden relativ spät auf- und relativ früh zusperren, sagt Kaindl. So hatte laut ÖIF – dessen Berechnungen unter anderem auf Erhebungen der Statistik Austria beruhen – fast die Hälfte der Kinderkrippen in Tirol im Jahr 2014 weniger als acht Stunden pro Tag geöffnet, desgleichen 62 Prozent der Kindergärten.

Ähnlich das Bild in Vorarlberg: Hier hielten zuletzt 60 Prozent der Kindergärten weniger als acht Stunden geöffnet. Viele schließen auch über Mittag. "Das stellt Vollzeiterwerbstätige natürlich vor Probleme", sagt Kaindl. Im österreichischen Schnitt hatten nur rund 25 Prozent der Krippen unter acht Stunden pro Tag geöffnet und 34 Prozent der Kindergärten. Bei den altersgemischten Gruppen waren es gar nur knapp 14 Prozent, die weniger als acht Stunden am Tag offen hielten.

In den Ferien lange zu

Außerdem konstatiert das ÖIF den westlichen Bundesländern vergleichsweise kurze Ferienöffnungszeiten. In Tirol hielten, wie die Auswertungen zeigen, Kindergärten zuletzt durchschnittlich knapp neun Wochen am Stück geschlossen, in Vorarlberg rund elf. Kaindl: "Das überschreitet den Urlaubsanspruch eines, zum Teil sogar beider Elternteile." Im Österreichdurchschnitt sind es übrigens rund drei (Krippen) bzw. fünf Wochen (Kindergärten).

Gestiegen ist Kaindl zufolge in den vergangenen Jahren allerdings die Betreuungsquote der unter Sechsjährigen. Neue Einrichtungen seien relativ schnell voll. "Das spricht dafür, dass die Nachfrage gegeben ist." (Lisa Breit, 5.5.2016)

  • Krippen und Kindergärten haben in Westösterreich offenbar kürzer offen als in anderen Bundesländern: Das könne viele Vollzeiterwerbstätige vor Probleme stellen.
    foto: istock

    Krippen und Kindergärten haben in Westösterreich offenbar kürzer offen als in anderen Bundesländern: Das könne viele Vollzeiterwerbstätige vor Probleme stellen.

  • Kindergärten in Vorarlberg schließen häufig über Mittag. Da heißt es: Das Aufpassen selbst übernehmen.
    foto: istock

    Kindergärten in Vorarlberg schließen häufig über Mittag. Da heißt es: Das Aufpassen selbst übernehmen.

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