"Qualität unglaublich": Nannen-Preise für Journalisten verliehen

29. April 2016, 06:40
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Vergabe des Sonderpreises an einen syrischen Fotografen

Hamburg – Das "Stern"-Magazin hat am Donnerstag in sechs Kategorien den Henri-Nannen-Preis vergeben. "Die Dichte der Qualität war unglaublich", sagte Chefredakteur Christian Krug. Reporter, Autoren und Fotografen bekamen einzeln oder im Team die in diesem Jahr erstmals undotierten Preise zugesprochen, die an Magazingründer Henri Nannen (1913–1996) erinnern.

Ein Höhepunkt war die Vergabe des Sonderpreises an den syrischen Fotografen Hosam Katan aus Aleppo, der seit Jänner in Offenbach lebt. Als Autodidakt dokumentierte er unter Lebensgefahr den Krieg in seiner Heimat und arbeitete für ausländische Medien, nachdem diese ihre Fotografen aus Syrien abgezogen hatten. "Ich habe großen, großen Respekt vor dem, was er geleistet hat", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in seiner Laudatio. Katan habe der Welt einen Einblick in eine Stadt gegeben, die viele nur noch mit Leid in Verbindung brächten. Als bedrückend und beeindruckend beschrieb der Außenminister Katans Fotos aus dem zerstörten Aleppo. Katan, von Heckenschützen schwer verletzt, kam 2015 nach Deutschland und will hier Fotografie studieren. "Ich möchte die Wahrheit zeigen", bekräftigte er.

Die weiteren Preisträger:

Beste Reportage: Die Königsdisziplin wurde zum Heimspiel für den "Stern" und seinen Reporter Jan Christoph Wiechmann mit dem Beitrag "Drei Krieger" (9.4.2015). Darin beschreibt er aus drei Perspektiven, was der Krieg in Afghanistan aus drei Männern machte – einem Taliban, einem deutschen Bundeswehrsoldaten und einem Piloten des US-Militärs.

Beste Investigation: "Als Meisterstück investigativer Aufklärung" bezeichnete die Nannen-Jury den Scoop des Jahres 2015. Ein Team des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" deckte die fragwürdige Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland auf und bekam für den Beitrag "Sommer, Sonne, Schwarzgeld" (17.10.2015) den Nannen-Preis.

Beste Fotoreportage: Mit seinem Blick auf "ganz private Rückzugsorte" seiner Nachbarn in Manhattan, New York, war der Fotograf Arne Svenson erfolgreich. In "Die Welt ist mir zu viel" für das "Zeit Magazin" (1.1.2015) fing er Mitmenschen durchs Fenster ein, ohne ihre Gesichter zu zeigen. "Ich habe sie nicht verletzt", sagte Svenson, der seine Nachbarn nicht in sein Projekt eingeweiht hatte.

Web-Reportage: Ein Team der "Berliner Morgenpost" beschreibt die sozialpolitischen Gegensätze der deutschen Hauptstadt anhand einer Buslinie: "M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede" (13.1.2015). Lebendig, spielerisch, pfiffig würden so die Kontraste zwischen arm und reich vermittelt, hieß es in der Jury-Begründung.

Beste Dokumentation: Wolfgang Bauer hat das Vertrauen traumatisierter Frauen in Nigeria gewonnen, die von der Terrormiliz Boko Haram gefangen gehalten wurden. Das Grauen dokumentierte er im "Zeit Magazin" (20.8.2015). "Präzise, umfangreich und von hoher politischer Relevanz", urteilte die Jury.

Beste inszenierte Fotografie: Zwei Fotografen – Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis – stellten Ereignisse nach, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – etwa die Terroranschläge auf das World Trade Center. Die Fotografien, betitelt in "Geo" (20.3.2015) mit "Trauen Sie ihren Augen nicht!", hinterfragen laut Jury die Wirkung von Bildern. (APA, dpa, 29.4.2016)

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