Mehr als hunderttausend deutsche Metaller im Warnstreik

29. April 2016, 17:06
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IG Metall über neues Angebot der Arbeitgeber zur dritten Verhandlungsrunde empört

Berlin – Mehr als hunderttausend Metaller haben am Freitag in ganz Deutschland Druck gemacht für einen deutlichen Lohnzuschlag. Sie versammelten sich teils schon in der Nacht vor den Werkstoren von hunderten Betrieben zu Warnstreiks und Kundgebungen. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn für ein Jahr – die Arbeitgeber bieten bisher 2,1 Prozent für zwei Jahre.

Alle sieben Bezirke der IG Metall hatten am Donnerstag in dritter Runde mit den Arbeitgebern verhandelt; überall hatte die Gewerkschaft das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Mit Ende der Friedenspflicht um Mitternacht begannen die ersten Warnstreiks.

Auch Streik bei Mercedes

Im Bezirk Küste legten nachts rund 3.000 Beschäftigte die Arbeit nieder; im Laufe des Tages wuchs ihre Zahl auf mehr als 14.000 an, wie die Gewerkschaft mitteilte. In Niedersachsen und in Sachsen-Anhalt versammelten sich insgesamt knapp 4.800 Mitarbeiter aus 29 Betrieben zu Warnstreiks und Kundgebungen.

Im Bezirk Berlin, Brandenburg und Sachsen begann der erste Warnstreik bei Mercedes Benz in der Hauptstadt. Im Laufe des Freitags legten mehr als 5.300 Metaller bis zu zwei Stunden die Arbeit nieder.

"Eindrucksvoller Warnstreikauftakt"

In Nordrhein-Westfalen gelang laut Gewerkschaft mit rund 17.000 Beteiligten ein "eindrucksvoller Warnstreikauftakt". Im Bezirk Mitte (Saarland, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen) waren es über 16.000 Metaller, die mitmachten.

In Baden-Württemberg verliehen bis zum Nachmittag rund 35.500 Metaller ihrer Lohnforderung Nachdruck; in Bayern waren es mehr als 11.500.

Weitere Streiks ab Montag

Alle Gewerkschaftsbezirke kündigten weitere Warnstreiks ab Montag an. Der baden-württembergische Bezirkschef Roman Zitzelsberger etwa sagte im SWR, die kommenden zwei Wochen seien mit Warnstreiks und Kundgebungen "durchgetaktet". Die Tarifkommission werde die Reaktion der Arbeitgeber abwarten und dann beraten, ob neue Verhandlungen Mitte Mai überhaupt Sinn machten.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, kritisierte die Warnstreiks in Baden-Württemberg als "unverhältnismäßig und schädlich". Die Gewerkschaft habe sich am Verhandlungstisch bisher keinen Millimeter bewegt. Wolf forderte "eigene konstruktive Lösungsvorschläge" der IG Metall.

Die Metall-Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg verlangten, die Warnstreiks "umgehend zu beenden". Die Prognosen zu Inflation und zur Entwicklung der Produktivität fielen bis 2017 "historisch niedrig" aus. "Das dürfen wir nicht ignorieren", erklärte Verhandlungsführer Stefan Moschko. Die IG Metall begründet die hohe Lohnforderung damit, dass sie die Nachfrage stärken sowie nachhaltig für Wachstum und Beschäftigung sorgen wolle. (APA, dpa, 29.4.2016)

  • Mitarbeiter des VW-Werkes in Zwickau zeigen sich solidarisch
    foto: apa/afp/dpa/sebastian willnow

    Mitarbeiter des VW-Werkes in Zwickau zeigen sich solidarisch

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