So schaut's aus in Sotschi

29. April 2016, 13:01
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Zwei Jahre nach den Olympischen Spielen und zwei Jahre vor der Fußball-WM fristen viele Sportstätten in Sotschi und Krasnaja Poljana ein Dasein im Leerstand. Ausnahmen sind das Rosa-Chutor-Resort, der Eiskanal und der Bolschoi-Eispalast, wo Eishockey gespielt wird

Sotschi – Der Brand auf der olympischen Bobbahn am Dienstag hat die Sportstätten der Winterspiele 2014 wieder ein Stück ins Gedächtnis der Öffentlichkeit gebracht. Wenn die Arenen in Sotschi am Wochenende zum dritten Mal von der Formel 1 umfahren werden, glänzen Putins Prunk-Paläste 26 Monate nach den teuersten Olympischen Spielen aller Zeiten nur noch äußerlich. In vielen Monumenten des 50-Milliarden-Projekts herrscht schlichtweg gähnende Leere.

So trägt das Olympiastadion "Fischt" den Stempel einer Bühne für seltene Top-Events – mit Ablaufdatum. Seit die Spiele vorbei sind, wartet man auf die Zukunft: 2018 macht die Fußball-WM hier für vier Vorrunden- und zwei K.-o.-Spiele Station, beim Confed-Cup ein Jahr zuvor finden in der Arena mit 47.659 Plätzen vier Partien statt. Was danach passiert, ist offen. Einen regulären Betrieb aber gibt es nicht. Der FC Sotschi spielt nur in der dritten Liga. Obwohl das Fischt nach dem Umbau längst bezugsfertig ist, verweilte der Klub im 10.200 Zuschauer fassenden Zentralstadion.

Nicht viel los in Krasnaja Poljana

Kaum genutzt sind auch zahlreiche Stätten im rund 40 Kilometer entfernten Bergdorf Krasnaja Poljana. So fanden im Biathlon- und Skilanglaufzentrum trotz höchster Standards seit den Winterspielen keine internationalen Wettkämpfe mehr statt. Auf den Skisprungschanzen war Severin Freunds Sprung zum deutschen Teamgold am 17. Februar 2014 das letzte Highlight. Ausgerechnet der offenbar wegen Sicherheitsmängeln brandgeschädigte Eiskanal ist eine Ausnahme: Im Februar fand hier ein Rodel-Weltcup statt, 2017 soll die WM im Bob und Skeleton steigen.

Immerhin: Das Rosa-Chutor-Skiresort, für dessen Errichtung massive und heftig kritisierte Eingriffe in die Natur vorgenommen wurden, hat bei reichen Russen Anklang gefunden. Im vergangenen Winter tummelten sich nach Aussage der Betreiber täglich 10.500 Besucher auf den 77 Pistenkilometern. Obwohl 13 davon dem Fis-Standard entsprechen, ist eine Rückkehr des Weltcups aber wohl ausgeschlossen.

Musicals, Kongresse

Der Bolschoi-Eispalast erfährt eine nachhaltige Nutzung durch das Eishockeyteam HK Sotschi aus der höchsten Liga KHL. In anderen Arenen ist die Auslastung aber bisweilen skurril. In der Eisschnelllauf-Arena etwa hat sich mittlerweile eine Tennis-Akademie niedergelassen. 2015 fand hier auch das Fed-Cup-Halbfinale zwischen Russland und Deutschland statt.

Andernorts machten auch schon Musicals, Kongresse oder der Cirque du Soleil Station. Von einer Nutzung im Sinne des Erfinders kann in der zur Sportmetropole aufgemotzten Touristenhochburg am Schwarzen Meer aber keine Rede sein.

Wer sich ein wenig umschaut, der erkennt, dass bereits bei vielen für die Spiele errichteten Funktionsgebäuden der Lack ab ist. Man muss sich keinen Kilometer vom prächtigen Olympiapark fortbewegen, um die Folgen der schwachen Auslastung zu sehen: Viele Fassaden brauchten einen neuen Anstrich, bei der Leuchtreklame anliegender Geschäfte fehlen Buchstaben – und so manches 24-Stunden-Restaurant in der Nähe des Zentrums der Winterspiele 2014 macht mittlerweile gar nicht mehr auf. (sid, fri, 28.4.2016)

  • Im Rosa-Chutor-Resort tummelten sich im Winter täglich 10.500 Besucher. Mehr als tausend sorgten am 9. April für einen wahnsinnig lustigen Weltrekord.
    foto: reuters/ kazbek basayev

    Im Rosa-Chutor-Resort tummelten sich im Winter täglich 10.500 Besucher. Mehr als tausend sorgten am 9. April für einen wahnsinnig lustigen Weltrekord.

  • Im Vorjahr wurde das Fischt-Stadion umgebaut. Es wäre auch bezugsfertig, doch der ansässige FC Sotschi, ein Drittligist, verweilt lieber im Zentralstadion.
    foto: ap/artur lebedev

    Im Vorjahr wurde das Fischt-Stadion umgebaut. Es wäre auch bezugsfertig, doch der ansässige FC Sotschi, ein Drittligist, verweilt lieber im Zentralstadion.

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