Welttanztag mit flüssiger Haut

29. April 2016, 10:21
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Beliebt oder kühl ignoriert: Der Unesco-Dance-Day

Wien – Die belgische Starchoreografin Anne Teresa de Keersmaeker hat den heutigen Welttanztag bereits vergangenen Samstag auf die Straße gebracht: mit einem großen Flashmob auf dem Brüsseler Grote Markt. Dabei genossen hunderte Einwohner und Touristen der Europahauptstadt unter dem Motto "My Walking Is My Dancing" den Übergang von langsamem Gehen in ausgelassenes Tanzen. Gedacht war die Initiative als Aktion gegen die gedrückte Stimmung infolge der Anschläge am 22. März.

In Deutschland ist gleich ganz 2016 zum Tanzjahr ausgerufen worden. Teil desselben war eine erfolgreiche Tanzplattform im März und wird ein Tanzkongress im Juni sein. Zum Tanztag findet unter anderem in Dresden eine Tanzwoche statt, in Hannovers Innenstadt heißt es heute "24 h Tanz", und in Leipzig gibt es ein "Blind Date" als Tanzimprovisation.

Seit 1982 auf dem Unesco-Kalender

Der Welttanztag steht seit 1982 als Initiative des International Dance Council (CID), Paris, auf dem Unesco-Kalender. Das Datum des 29. April ist ein Musterbeispiel für Eurozentrismus. Denn da wird der Geburtstag des französischen Ballettaufklärers Jean-Georges Noverre (1727-1810) gefeiert. Trotzdem geben die Wiener Staats- und Volksoper heute keine Aufführungen. Man sollte sie deswegen nicht schimpfen, denn der Welttanztag wurde bisher weltweit mehr oder weniger ignoriert – allgemein und speziell auch in Österreich.

Aber diesmal tut sich etwas mehr. Immerhin zeigt beispielsweise Meg Stuart, die zeitgenössische "Noverrin" der 1990er-Jahre, im Tanzquartier Wien ihre jüngste Arbeit, Until Our Hearts Stop – mit sechs Tänzern und drei Musikern, die ordentlich Clubsound machen. Im Odeon erklärt Sayyed Labib: found. Beim Impulstanz-Festival können just ab heute Workshopkarten geordert werden. Im Hamakom lässt Nikolaus Adler den Balthazar tanzen. In der Galerie Andrea Jünger steht Georg Blaschke auf seine fluid skin.

Im Salzburger Republic wird Xchange getanzt. Und in Krems legt das Donaufestival los – mit dabei ist die Choreografin Elisabeth Tambwe. Am Tag eins nach dem Welttanztag hat das Festspielaus Sankt Pölten Sidi Larbi Cherkaoui und Saburo Teshigawara zu Gast (siehe Szenario, Seite 28). Und, wenn schon ein Blick in die Zukunft geworfen wird: in Oberwart gibt's ab dem 12. Mai gleich drei "Tanztage".

Rund um den Globus

Was ist rund um den Globus an diesem Tanztag los? Im indischen Bangalore etwa wird der 29. April im Auditorium der Alliance Française mit einer Performance- und Filmreihe gefeiert, an der Größen wie Miti Desai oder Sujay Shanbag teilnehmen. In der algerischen Stadt Sidi bel Abbès gibt es zeitgleich ein noch größeres Ereignis mit mehr als 80 Tänzern aus mehreren Städten der Sahara. In Buenos Aires wird eine Woche lang Tanztag gefeiert, am Samstag gibt es speziell eine Flashmob-Choreografie – ebenso wie übrigens auch in der bulgarischen Stadt Asenowgrad.

Das ecuadorianische Guayaquil hat im Teatro José Martínez Queirolo schon am Vorabend den Flamenco, und im kasachischen Almaty gibt es zum Tanztag das Flamenco-Festival Sonidos del Corazon. Wer morgen im malaysischen Petaling Jaya noch nichts vorhat, kann dort im Fonteyn Theatre bei freiem Eintritt Conditioning The Dancing Body erleben – sofern das eigene Kind nicht in Wattayah (Oman) beim Leelangika-Tanzwettbewerb mitmacht. Oder man schon den Plan hat, im Kino Eaglet, Nischni Nowgorod, den Gewinnern des dortigen Tanz-Mal-Wettbewerbs zu gratulieren. Allgemein: Da geht noch einiges. Der Welttanztag hat Zukunft. (Helmut Ploebst, 29.4.2016)

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