Costa Concordia: Berufungsprozess begann ohne Schettino

28. April 2016, 17:18
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Früherer Kapitän in erster Instanz zu 16 Jahren verurteilt – Staatsanwaltschaft will jetzt 27 Jahre Haft

Florenz – Mehr als vier Jahre nach der Havarie der Costa Concordia hat am Donnerstag in Florenz der Berufungsprozess gegen den italienischen Kapitän Francesco Schettino begonnen. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn 27 Jahre und drei Monaten Haft. Der Angeklagte erschien nicht, er ließ sich von seinen Anwälten vertreten.

Schettino war im Februar 2015 in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Dagegen hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt. Der Kapitän befindet sich auf freiem Fuß. Ihm werden fahrlässige Tötung, Körperverletzung, Schiffbruch, Verlassen des Schiffes, Verlassen von behinderten Personen und falsche Angaben an die Behörden zur Last gelegt.

Erneut Anschuldigungen gegen Steuermann

"Schettino ist nicht im Gericht anwesend, weil er hofft, dass im Berufungsverfahren die Suche nach der Wahrheit und nicht wie beim erstinstanzlichen Prozess die Ergründung seiner Persönlichkeit im Mittelpunkt steht", erklärte sein Anwalt Saverio Senese. Sollten die Richter ihn befragen wollen, sei Schettino bereit zu erscheinen.

Die Verteidiger des Kapitäns wollen erneut Anschuldigungen gegen den indonesischen Steuermann erheben, dem Schettino nach der Havarie auf Englisch Befehle gab, die dieser offenbar nicht verstand. Der Indonesier und zwei Schiffsoffiziere waren 2013 mit Haftstrafen zwischen einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und elf Monaten verurteilt worden. "Der Steuermann sollte befragt werden, er ist aber spurlos verschwunden", sagte der Anwalt.

Bei der Eröffnung des Berufungsgericht war auch Marco De Luca, Anwalt der Reederei Costa Crociere, anwesend. Fast alle Passagiere seien entschädigt worden, berichtete der Anwalt.

Die Costa Concordia hatte im Jänner 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 der mehr als 4.200 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten. (APA, 28.4.2016)

  • Die Costa Concordia ist vor vier Jahren gesunken. Das Unglück, bei dem 32 Menschen starben, beschäftigt noch immer Gerichte.
    foto: apa/afp/filippo monteforte

    Die Costa Concordia ist vor vier Jahren gesunken. Das Unglück, bei dem 32 Menschen starben, beschäftigt noch immer Gerichte.

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