Identitäre: Winziger Kern mit großer Wirkung

28. April 2016, 17:29
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Die Gruppe der Identitären agiert rechtlich geschickter als andere Rechtsextreme, beobachtet man im Innenministerium

Wien – "Kreative Ausdrucksformen" konzediert man beim heimischen Verfassungsschutz den Identitären, der von der Behörde als rechtsextrem eingestuften Gruppierung, die in jüngster Zeit verstärkt mit Aktionen für Aufsehen sorgt.

Zuletzt am Mittwochabend, als zwei Brüder mit einer Leiter auf das Dach des Burgtheaters kletterten und ein Transparent mit der Aufschrift "Heuchler" entrollten, während im Haus "Die Schutzbefohlenen" von Elfriede Jelinek gegeben wurde. Das Werk scheint den rechten Recken besonders auf den Magen zu schlagen: Unlängst enterten sie während einer Aufführung im Audimax der Universität Wien die Bühne.

Störaktionen in Graz und im Audimax

Dieses Aufsehen ist es auch, was die Staatsschützer der Gruppierung als Erfolg zugestehen. Die Gruppe würde die Zahl ihrer Aktionen merklich erhöhen, heißt es dort. Neben der Störung im Audimax etwa auch die kurzfristige Besetzung des Daches der Grünen-Parteizentrale in Graz, in der Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen vermutet wurde.

Zahlenmäßig ist die Gruppe dagegen unbedeutend. "Der harte Kern liegt im niedrigen zweistelligen Bereich", sagt ein Beamter. Die Zahl der Sympathisanten liege bei 100 bis 150 Personen, der weiteste Mobilisierungskreis bisher bei 300 Menschen.

Gefährlich an den Identitären sei, dass sie geschickt vorgehen, meint der Insider. "Traditionelle Rechtsextreme waren in der Öffentlichkeit, überspitzt gesagt, dumpfe Skinheads mit dem Bezugspunkt NS-Zeit." Gegen diese konnte man relativ einfach nach dem Verbotsgesetz aktiv werden.

Moderne Rechtsextreme

"Die Identitären haben dasselbe rechtsextreme Weltbild, treten aber moderner auf und beziehen sich nicht mehr auf die Nationalsozialisten. Sie begehen in den meisten Fällen maximal Verwaltungsübertretungen."

Es gehe der kleinen Kerngruppe darum, bekannt zu werden, dabei würden auch die Medien eine zwiespältige Rolle spielen. "Es ist im Prinzip das gleiche Problem wie beim IS – je mehr man darüber berichtet, desto mehr Gewicht verleiht man ihnen." Das könnte schlimme Folgen haben. Beim Verfassungsschutz gibt es derzeit zwar keine Hinweise, dass die Identitären als Gruppe Gewaltakte, beispielsweise gegen Flüchtlingsunterkünfte, planten. "Aber sie könnten eine Stimmung erzeugen, die Einzelne dazu bringt, so etwas zu machen", warnt der Beamte. (Michael Möseneder, 28.4.2016)

  • Am Mittwochabend entrollten die Identitären ein Transparent auf dem Dach des Burgtheaters
    foto: burgtheater

    Am Mittwochabend entrollten die Identitären ein Transparent auf dem Dach des Burgtheaters

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