Luftangriffe auf Krankenhäuser im syrischen Bürgerkrieg

28. April 2016, 17:02
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Zuletzt rund 30 Tote bei Bombardement in Aleppo

Aleppo – UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Angriff auf ein Krankenhaus in der syrischen Stadt Aleppo scharf verurteilt. Es sei "unentschuldbar", mit solchen Angriffen Zivilisten ins Visier zu nehmen, hieß es in einer am Donnerstag in New York verbreiteten Erklärung Bans. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Bei der Attacke auf das Al-Kuds-Krankenhaus waren in der Nacht auf Donnerstag mindestens 20 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsgruppen machten Regierungstruppen dafür verantwortlich.

Ban klagte, es habe in Syrien unlängst wieder "blindwütige Bombardierungen durch Kräfte der Regierung und der Opposition" gegeben. Er rief die Konfliktparteien auf, "unverzüglich die Feindseligkeiten einzustellen". Der UNO-Generalsekretär forderte dabei insbesondere die USA und Russland auf, ihren Einfluss geltend zu machen und die verfeindeten Parteien zu einem Ende der Gewalt zu bewegen.

Kerry macht Russland verantwortlich

US-Außenminister John Kerry richtete diese Erwartung vor allem an Russland. Die Truppen der von Russland unterstützten Regierung von Baschar al-Assad griffen "offenbar absichtlich medizinische Einrichtungen" an, erklärte Kerry in Washington. Die Attacke auf das Krankenhaus in Aleppo sei "empörend", kritisierte er. "Russland hat eine dringende Verantwortung, Druck auf das Regime auszuüben." Das militärische Vorgehen der Regierungstruppen in Aleppo verstoße gegen die Vereinbarungen des Waffenstillstands.

Eigentlich gilt seit Ende Februar eine Feuerpause zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Von ihr ausgenommen sind Angriffe auf islamistische Extremisten. Trotz wiederholter Verletzungen hielt die Waffenruhe prinzipiell bislang, doch droht sie nun zu scheitern. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura forderte in der Nacht auf Donnerstag in Genf, die Waffenruhe "dringend wiederzubeleben", bevor im Mai die nächste Runde der Friedensgespräche beginne. (APA, 28.4.2016)

Chronologie

Immer wieder sind im syrischen Bürgerkrieg Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen bombardiert worden. Oft wurden das syrische Regime und seine Verbündeten dafür verantwortlich gemacht. Analysten zufolge haben sich derartige Angriffe inzwischen zu einer Kriegstaktik entwickelt. Einige der verheerendsten Angriffe der letzten Monate auf Krankenhäuser in Syrien:

August 2015: Neun Krankenhäuser in der nordwestlichen Provinz Idlib werden Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge innerhalb von mehreren Tagen direkt oder indirekt durch Luftangriffe getroffen. Elf Menschen sterben demnach, mindestens 31 werden verletzt.

Oktober 2015: Luftschläge auf eine Klinik in der Provinz Idlib töten mindestens ein Dutzend Menschen, darunter vermutlich zwei Ärzte.

November 2015: Bei einem Luftangriff mit Fassbomben auf eine Klinik nahe der zentralsyrischen Stadt Homs werden sieben Menschen getötet. 47 Menschen werden verletzt, die Hälfte davon Kinder unter 15 Jahren.

Februar 2016: Ein Krankenhaus im Süden des Landes nahe der jordanischen Grenze wird bombardiert. Dabei kommen mindestens drei Menschen ums Leben, sechs werden verletzt.

Februar 2016: Bei einem Angriff auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen in den nördlichen Provinzen Idlib und Aleppo sterben nach UN-Angaben fast 50 Menschen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte geht davon aus, dass Moskaus Luftwaffe verantwortlich ist.

April 2016: Ein Krankenhaus in dem von Rebellen kontrollierten Teil Aleppos wird bombardiert, mindestens 30 Menschen kommen dabei um, etwa 50 werden verletzt. (APA)

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