"Revolution der Liebe" in Graz

28. April 2016, 16:58
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Schauspielhaus Graz: Saison 2016/17 mit Milo Rau und Uraufführung von Thomas Arzt

Graz – Das "konzeptionelle Herzstück" ihres Spielplans für 2016/2017 "pocht" in der Mitte der Saison, sagt Iris Laufenberg, Intendantin des Grazer Schauspielhauses. Gemeint ist das Stück Der Auftrag: Dantons Tod von Heiner Müller nach Georg Büchner. Und das Herz schlägt bekanntlich links: Laufenberg gab in einer aufwendigen Präsentation samt Interviews und Filmen am Donnerstag einen Überblick über ein Programm, das sich um Begriffe wie Revolution, Widerstand und auch Liebe dreht.

Für die Inszenierung der Müller-Büchner-Produktion wurden zwei interessante Künstler angeheuert: Jan-Christoph Gockel, der in der laufenden Saison in Graz mit seinem Merlin begeisterte, und der Puppenbauer- und Spieler Michael Pietsch (ebenfalls an Merlin beteiligt). Sie inszenieren das Stück um Macht und Ohnmacht zusammen. Premiere ist im März 2017.

Der Pressefreiheit letzte Nacht

Ein nicht nur für Journalisten spannendes Setting wird im Jänner zur Uraufführung gebracht. Musiker und Regisseur Sandy Lopicic erzählt im musikalischen Theaterabend Redaktionsschluss! von einer Nacht in einer Zeitungsredaktion, die die letzte ist, in der noch Pressefreiheit herrscht: einmal noch die Wahrheit schreiben, während vor dem Haus schon wilde Schlachten toben.

Eine Uraufführung gibt es auch zur Saisoneröffnung am 15. September. Der Oberösterreicher Thomas Arzt bekam den Auftrag, ein Stück zu schreiben, in dem er sich dem ambivalenten steirischen Heimatdichter Peter Rosegger nähert: Die Neigung des Peter Rosegger beginnt als Komödie, bleibt aber keine.

Liebkind des politischen Theaters

Mit Ferdinand Schmalz wird ein weiterer junger österreichischer Autor zweimal auftauchen: Er schreibt die Couplets für Nestroys Talisman (Regie: Dominique Schnizer) – und sein Stück Der thermale Widerstand, in dem ein Bademeister den Aufstand probt, wird von Andras Dömötör inszeniert. Potenzial zum Saisonhighlight hat der dritte Teil der Europa-Trilogie des Schweizer Shootingstars Milo Rau. Die österreichische Erstaufführung des Liebkindes des politischen Theaters ist eine Koproduktion mit dem Steirischen Herbst und ab 14. Oktober zu sehen.

Auch vom Theater im Bahnhof wird es – wie schon seit rund zehn Jahren – eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus geben. In Geidorf's Eleven wird der gutbürgerliche Grazer Bezirk Geidorf zur Metapher für eine Welt, die sich Veränderungen widersetzt: "Wie eine Villa, in der die Heizung schon ein bissl kaputt ist", sagt Regisseur Helmut Köpping. (Colette M. Schmidt, 28.4.2016)

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