Wissenschafter gehen in Berliner U-Bahn-System auf Mikrobenjagd

28. April 2016, 16:25
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Internationales Forschungsprojekt will "Weltkarte des unsichtbaren Lebens" erstellen

Berlin – Forscher gehen demnächst im Berliner U-Bahn-System mit Wattestäbchen auf Mikrobenjagd. Wissenschafter des Robert Koch-Instituts (RKI) werden in den kommenden Wochen Proben von "allen wesentlichen Oberflächen" nehmen, wie das RKI und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Berlin mitteilten. Die Untersuchungen sind Teil eines internationalen Forschungsprojekts.

Ziel ist es, die komplexen Lebensgemeinschaften von Mikroben im öffentlichen Raum – konkret in U-Bahn-Systemen – erstmals vergleichend zu erfassen und eine Weltkarte dieses unsichtbaren Lebens zu erstellen. Im Jahr 2013 in New York gestartet, sind inzwischen mehr als 40 Städte von Moskau über Mexiko-Stadt und Sao Paulo bis Seoul an dem Netzwerk beteiligt. In Berlin sind die Forscher in den kommenden Wochen im gesamten U-Bahn-Netz unterwegs. Bis zum Jahr 2020 sollen für das Projekt zudem jährlich Proben in den Bahnhöfen genommen werden.

Infektionsschutz verbessern

Bisher sei nur wenig bekannt über die Mikrobengemeinschaften und darüber, wie sie funktionieren, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. "U-Bahn-Systeme eignen sich in besonderer Weise, um in diese Welt vorzudringen." Sie seien ein gleichermaßen hoch frequentierter öffentlicher Raum und ein wesentlicher Faktor für die Verbreitung von Organismen. Gleichzeitig seien sie durch ihre unterirdische Lage weitgehend unbeeinflusst von Umwelt- und Witterungseinflüssen.

Alle Proben aus Berlin werden an eine Koordinierungsstelle in New York geschickt, wo die Erbsubstanz untersucht wird. Die so gewonnenen Daten werden vom RKI dann unter anderem mit den Erbgutabschnitten bekannter Bakterien verglichen. Die Forscher gehen zum Beispiel der Frage nach, ob es bisher unbekannte Mikroben gibt und ob sich die Zusammensetzung der Besiedlung von anderen Städten unterscheidet. Die Ergebnisse sollen auch neue Erkenntnisse für den Schutz vor Infektionen bringen. (APA, 28.4.2016)

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