Scholten verlässt Kontrollbank, Bernkopf folgt nach

28. April 2016, 15:49
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Der Langzeitchef der Österreichischen Kontrollbank, Rudolf Scholten, tritt im Juli vorzeitig ab. Ex-Bank-Austria-Banker Helmut Bernkopf rückt nach

Wien – In der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) bahnt sich ein Vorstandswechsel an. Generaldirektor Rudolf Scholten wird seinen bis Juli 2017 laufenden Vertrag nach 19 Jahren nicht verlängern, erfuhr DER STANDARD in Kreisen der im Eigentum der Banken stehenden OeKB. Die Entscheidung sei gefallen, bestätigte Scholten auf Anfrage.

Der Abschied kommt für Wegbegleiter wie Mitarbeiter überraschend – und vor allem früher als erwartet: Der in den 1990er-Jahren als Minister für Unterricht/Kunst und Wissenschaft/Verkehr/Kunst tätige Jurist macht von einer Klausel in seinem Vertrag Gebrauch, die es ihm ermöglicht, sein Mandat bereits in drei Monaten zurückzulegen. "Ich habe das Recht, im Sommer auszuscheiden", sagt Scholten – und betont, "sehr gern in der Kontrollbank gearbeitet" zu haben. "Nun freue ich mich sehr darauf, mit meiner Frau ein uneingeschränkt gemeinsames Leben führen zu können."

foto: apa / helmut fohringer
Kunst statt Kontrollbank heißt die Devise von Rudolf Scholten nach 19 Jahren an der Spitze des Exportfinanzierers.

Wer Scholten in der auf Exportfinanzierungen und staatliche Garantien spezialisierten OeKB folgt, steht laut STANDARD-Recherchen bereits fest: Helmut Bernkopf, bis Ende März Vorstandsdirektor der Bank Austria, werde in der Kontrollbank-Chefetage neben Angelika Sommer-Hemetsberger Platz nehmen, verlautet aus Eigentümerkreisen. Bank-Austria-Präsident Erich Hampel, der zugleich dem Aufsichtsrat der Kontrollbank vorsteht, bestätigt die geplante Personalrochade.

foto: ho
Vom Bank-Austria-Firmenkundengeschäft zur Exportfinanzierung im Auftrag des Staates: Helmut Bernkopf.

Als Abgesandter des größten OeKB-Aktionärs dürfte Hampel die Personalentscheidung für die OeKB-Spitze bei den anderen OeKB-Aktionären zweifellos durchbringen, die Abstimmung sei bereits weit gediehen, heißt es. Als Spezialist für das Firmenkundengeschäft und Mitglied des OeKB-Aufsichtsrats gilt der 49-jährige Bernkopf als für den Posten geeignet und mit der Materie bestens vertraut.

Ministerpension

Finanziell hat Scholten, der in den 1990er-Jahren im Kabinett von Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) als wirtschaftspolitischer Berater arbeitete, ehe er in den Bundestheater-Verband wechselte und 1990 zum Unterrichtsminister aufstieg, wohl ausgesorgt. Seinen Anspruch auf Ministerpension hat der 60-Jährige an die OeKB abgetreten, im Gegenzug erhält er eine Kontrollbank-Pension.

Was zukünftige Tätigkeiten betrifft, hält sich der Kultur- und Kunstbeflissene, der Mitglied der Ankaufskommission des Museum of Modern Art in New York ist und dem Aufsichtsrat der Wiener Festwochen vorsteht, bedeckt. Zunächst studieren der "Edelamateur", wie er sich selbst nennt, und seine Ehefrau Kunstgeschichte – nicht an der Uni, sondern bei einer Privatlehrerin. (Luise Ungerboeck, 28.4.2016)

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