Rund hundert Festnahmen bei Protesten in Venezuela

28. April 2016, 10:50
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Widerstand gegen Stromrationierung – Opposition begann mit Unterschriftensammlung für Referendum gegen Präsidenten

Caracas – Bei Protesten gegen die Stromrationierung in Venezuela sind am Mittwoch rund hundert Menschen festgenommen worden. Schauplatz der Proteste war die zweitgrößte Stadt Maracaibo, wo es nach Angaben der Behörden zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. "Mehr als 95 Menschen wurden wegen Vandalismus festgenommen", teilte der örtliche Sicherheitschef Biagio Parisi im Internetdienst Twitter mit.

Gouverneur Francisco Arias Cardenas sprach von Protesten in 18 Stadtteilen der Hauptstadt des Bundesstaates Zulia. 73 Geschäfte seien attackiert worden. Die Proteste und Plünderungen folgten einem "Plan zur Destabilisierung" des Landes, sagte der Regierungschef von Zulia.

Am Dienstag hatte die Regierung von Präsident Nicolas Maduro weitere Maßnahmen angeordnet, um die schwere Energiekrise in den Griff zu bekommen. Demnach sollen alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes vorerst nur noch montags und dienstags arbeiten. Schulen sollen künftig freitags geschlossen bleiben.

Beamte haben frei

Seit Anfang April sind bereits für die rund zwei Millionen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes alle Freitage bis Anfang Juni arbeitsfreie Tage, ihre Arbeitszeit beträgt nur noch sechs Stunden. Zudem wird in zehn von 24 Bundesstaaten täglich der Strom für mehrere Stunden abgestellt.

Die Maßnahmen sollen dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Land dabei helfen, Strom zu sparen. Nach Angaben der Regierung reichen angesichts einer durch das Wetterphänomen El Nino ausgelösten extremen Dürre die Wasserreserven in den 18 Talsperren des Landes für die Energieerzeugung kaum noch aus. Kritiker machen dagegen Missmanagement der sozialistischen Regierung dafür verantwortlich.

Am Mittwoch begann die Opposition mit einer Unterschriftensammlung für ein Referendum über eine Amtsenthebung von Maduro. Die Opposition hat im Parlament zwar die Mehrheit, muss aber für ein Referendum über eine Amtsenthebung in einem ersten Schritt die Unterschriften von einem Prozent der wahlberechtigten Bürger, also von knapp 200.000 Menschen, sammeln. In einem zweiten Schritt müsste die Opposition sogar vier Millionen Unterschriften zusammenbekommen. (APA, 28.4.2016)

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