Minister Stöger denkt über Verbot von Bankomatgebühren nach

28. April 2016, 06:22
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Die Ablehnung von Gebühren ist hoch, vereinzelt gibt es sie aber. Der Sozialminister will gesetzlich einen Riegel vorschieben

Wien – Die Diskussion über Bankomatgebühren ist um eine Facette reicher. Sozialminister Alois Stöger denkt nun darüber nach, sie per Gesetz verbieten zu lassen, wie er im Ö1-"Frühjournal" am Donnerstag erklärte. Er werde das entsprechend prüfen lassen, sagt Stöger, angesprochen darauf, dass Juristen das als unzulässige Preisregelung sehen würden. Schützenhilfe bekam der Minister in seiner Ablehnung am Mittwoch unter anderem vom Pensionistenverband und von der Arbeiterkammer, die sich nicht ganz überraschend auf die Seite der Gebührengegner schlugen.

In Europa sind Bankomatgebühren allerdings weit verbreitet, auch in Nachbarländern legen Kunden bei der Geldbehebung ab. Auch hierzulande würden die Institute ihre Kunden lieber heute als morgen zur Kasse bitten. Die Frage ist, wer als erster unter den großen traut mit einer solch unpopulären Maßnahme vorzupreschen. Einzelne Institute heben aber schon entsprechende Gebühren ein. Bei einigen regionalen Banken gibt es Zusatzspesen, wenn bei einem Bankomat einer Fremdbank abgehoben wird.

Das auf Kundenseite damit keine Freunde zu gewinnen sind, liegt auf der Hand. Täglich trudeln entsprechende Nachrichten ein, wer aller dagegen ist. Die Arbeiterkammer (AK) etwa lehnt Bankomatgebühren ausnahmslos und strikt ab. "Die Menschen sollen immer mehr Bankgeschäfte selbst erledigen, anderseits kassieren Banken bei Spesen kräftig ab. Das ist nicht einzusehen", sagte Gabriele Zgubic, Leiterin der AK-Konsumentenpolitik, am Mittwoch. Eine aktuelle AK Onlineumfrage, an der knapp 2.000 Menschen teilgenommen hätten, zeige: "Fast alle meinen, das Abheben am Bankomaten soll kostenfrei bleiben."

Bankkunden gegen Gebühren

Nicht ganz überraschend lehnten demnach rund 97 Prozent der Befragten Bankomatgebühren rundheraus ab. Das Abheben solle kostenfrei bleiben. In den meisten österreichischen Kontoverträgen sei das Abheben von Geld am Bankomaten im Girokonto- bzw. im Kartenentgelt schon inkludiert, betont die AK um auch darauf hinzuweisen, dass es in der Vergangenheit immer wieder einmal Vorstöße für die Einführung von Extra-Gebühren gegeben hat und es auch jetzt schon Institute gibt, die auf Gebühren nicht verzichten. Bei einigen regionalen Banken gibt es Zusatzspesen, wenn bei einem Bankomat einer Fremdbank abgehoben wird. Vereinzelt sei auch zu beobachten, dass eine Bankomatgebühr für die Bargeldabhebung bei bankeigenen Geldautomaten verrechnet wird.

Neben der den Banken gehörenden Payment Service Austria (PSA) gebe es auch bankunabhängige Betreiber von Geldautomaten. Bis dato seien in Österreich Geldabhebungen auch dort in der Regel nicht kostenpflichtig. Im Vorjahr hat eine große österreichische Bank ihre Kunden informiert, dass Gebühren, die von sogenannten Drittanbietern von Geldausgabeautomaten verlangt werden, dem Kundenkonto angelastet werden. "Das lehnen wir aus konsumentenpolitischer Sicht ab", sagt Zgubic. Die AK Tirol habe bereits dagegen eine Klage eingebracht.

Das Filial- und somit auch das Bankomatnetz werde immer mehr ausgedünnt. "Es könnte die Strategie sein, das eigene Bankomatnetz auszudünnen, so Kosten zu sparen und Drittanbietern das Feld zu überlassen, die Gebühren kassieren", vermutet die AK. Laut Statistiken von PSA und Nationalbank habe die PSA 2013 noch um 335 Bankomaten mehr betrieben als 2015. (rebu, 28.4.2016)

  • Bankomatgebühren sind außerhalb Österreichs durchaus nicht unüblich.
    foto: apa/fohringer

    Bankomatgebühren sind außerhalb Österreichs durchaus nicht unüblich.

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