Protest gegen Jelinek-Stück: "Identitäre" kletterten auf Burgtheater

27. April 2016, 22:26
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Rechtsextreme wollten Elfriede Jelineks Theaterstück "Die Schutzbefohlenen" stören, das bereits Mitte April gestürmt worden war

Die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" hat am Mittwoch wieder gegen eine Aufführung des Elfriede-Jelinek-Stücks "Die Schutzbefohlenen" protestiert. Diesmal enthüllten sie auf dem Dach des Wiener Burgtheaters ein Transparent mit der Aufschrift "Heuchler" und warfen Flugblätter ab. Laut einer Burgtheater-Sprecherin handelte es sich um fünf Personen, ins Theater gelangten sie nicht. Die Vorstellung selbst verlief ungestört.

Den Ehrenschutz über die Aufführung hatte laut Burgtheater Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) übernommen. Von den Identitären wurde sie auf deren Website dafür angegriffen, weil "illegale Einwanderer von Politikern wie Doris Bures hofiert werden". Als Aufhänger für die Aktion benutzten die Rechtsextremen, die seit langem gegen einen "Bevölkerungsaustausch" kämpfen, die zuletzt bekannt gewordene brutale Vergewaltigung einer jungen Frau am Praterstern, bei der die Polizei drei Asylwerber verdächtigt.

Die Polizei war laut der Theatersprecherin rasch zur Stelle. Zwei Personen seien angezeigt worden, hieß es in der Polizeipressestelle auf APA-Anfrage – wegen Ordnungsstörung, eines Verwaltungsdelikts. Das Burgtheater reagierte auf Facebook mit der Stellungnahme: "Identitäre, runter von unserem Haus und raus aus Europa. Ihr, eure Angstmacherei, euer Hass und eure Aufhetzerei haben hier keinen Platz."

Bereits Mitte April hatten Mitglieder der Identitären eine Aufführung des Stücks im Audimax der Universität Wien gestürmt. Seither ermittelt die Polizei gegen acht Täter wegen Körperverletzung – unter anderem wegen eines Faustschlags ins Gesicht – sowie gegen vier namentlich bekannte und vier unbekannte Tatverdächtige wegen Störung einer Versammlung.

Ostermayer fordert "Schulterschluss gegen Verhetzer und Spalter"

Kunst- und Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) reagierte am Mittwoch scharf auf die Aktion. Er sprach von einer "Provokation einer rechtsradikalen Gruppe" und betonte: "Es kann und darf kein Verständnis und keine Akzeptanz für diese Aktionen geben."

"Was mit der Besetzung von Theaterbühnen beginnt, endet allzu oft in Gewalt gegen jene, denen unser Schutz zu gewähren ist", sagte Ostermayer und forderte "ein klares Bekenntnis und deutliche Worte aller österreichischen Parteien" zu einem demokratischen Diskurs. Denn Aktionen wie jene der Identitären seien Angriffe auf die Freiheit der Kunst und damit undemokratisch. "Wer jetzt nicht aufsteht und sich gegen diese Vorfälle ausspricht, wer nicht klarmacht, dass es dafür in Österreich kein Verständnis gibt, der macht sich schuldig." Ostermayer fordert deshalb einen "Schulterschluss der anständigen, demokratischen und humanistischen Kräfte unseres Landes gegen die Verhetzer und Spalter der Gesellschaft". (red, APA, 27.4.2016)

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