Rolle der Nase beim Abspeichern von Erinnerungen nicht zu unterschätzen

30. April 2016, 17:30
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Deutsche Forscher untersuchten mit einem Experiment, wie sich Geruchswahrnehmungen auswirken können

Bochum – Es ist ein weithin bekannter Effekt: Es steigt einem Geruch in die Nase, der schlagartig einen ganzen Schub lange verschütterter Erinnerungen freisetzt. Nun berichtet die Ruhr-Universität Bochum, wie ein Team ihrer Forscher den Zusammenhang zwischen Gerüchen und Erinnerungen von der anderen Seite her angeht: Dann, wenn die Erfahrungen ganz frisch abgespeichert werden.

Mit einem Konstruktionsspielzeugsystem für Kinder kreierte um Team um den Bochumer Forscher Boris Suchan und seinen Kollegen Christian Bellebaum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf neuartige Objekte, die den Probanden vorher nicht bekannt waren. So konnten sie untersuchen, wie die Testpersonen Objekte wahrnehmen, ohne die Ergebnisse durch vorherige Erfahrung zu verfälschen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Behavioural Brain Research" veröffentlicht.

Das Experiment

In der Trainingsphase zeigten die Forscher den Probanden verschiedene unbekannte Objekte und setzten gleichzeitig jeweils einen bestimmten Geruch frei. Zum Vergleich stellten sie den Testpersonen andere Objekte ohne Geruch vor. Die Probanden durften die Objekte anschauen, jedoch nicht anfassen.

In der anschließenden Untersuchung im Magnetresonanztomografen mussten die Probanden auf Bildern erkennen, ob es sich um ihnen bekannte oder unbekannte Objekte handelt. Die Wissenschafter beobachteten derweil, welche Regionen dabei im Gehirn aktiv waren.

Auswertung

"Die Analyse der Gehirnaktivität hat uns gezeigt, dass der rechte vordere Hippocampus stärker aktiviert ist, wenn die Objekte mit einem Geruch verbunden waren", sagt Suchan. Als Schaltzentrale für Erinnerungen ist der Hippocampus an vielen Gedächtnisprozessen beteiligt. Die Studie zeigt, dass es innerhalb dieser Gehirnregion einen speziellen Bereich gibt, der involviert ist, wenn Erinnerungen an Gerüche verarbeitet werden.

Die Forscher vermuten zudem, dass an dieser Stelle auch die Informationen verschiedener Sinneseindrücke zusammengeführt werden. Ob dies nur für Sehen und Riechen gilt oder auch für andere Sinne, muss nun weiter erforscht werden. (red, 30. 4. 2016)

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    foto: apa/epa/swen pfoertner
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