Ibrahims zwei Minuten

28. April 2016, 10:30
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Ein syrischer Kriegsflüchtling durfte in Griechenland die olympische Fackel tragen. Für Ibrahim al-Hussein, der 2012 bei einem Bombenangriff einen Unterschenkel verlor, ging "ein Traum in Erfüllung"

Athen – Ibrahim al-Hussein lächelte selig, seine Augen strahlten, als er sich mit der olympischen Fackel in der Hand einen Weg durch die Menschenmenge bahnte. Es waren seine zwei Minuten. "Im Namen aller Flüchtlinge" trug er die Flamme 200 Meter weit durch das Aufnahmelager Eleonas nahe Athen, wo rund 1600 Menschen untergebracht sind.

Der 27-Jährige, früher ein erfolgreicher Judoka und Schwimmer, wurde vom griechischen Flüchtlingsrat, der örtlichen Partnerorganisation des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, als Fackelträger ausgewählt. Etwas nervös lächelte al-Hussein in die Kameras. "Ein Traum geht in Erfüllung" , sagte er. Die Flüchtlinge jubelten ihm zu.

Al-Hussein stammt aus Deir ez-Zor, einer syrischen Provinz nahe der Grenze zum Irak, 2012 verlor er bei einem Bombenangriff in der vom Bürgerkrieg gebeutelten Region seinen rechten Unterschenkel – und mit ihm seinen Traum von einem Start bei den olympischen Schwimmwettbewerben.

Wohnung und Job in Griechenland

Al-Hussein floh in die Türkei und von dort aus 2014 über das Meer auf die griechische Insel Samos. Seinem Asylantrag in Griechenland wurde stattgegeben. Inzwischen hat er eine Wohnung in Athen und einen Job in einem Café. Der Sport ist Teil seines Lebens geblieben. Die 50 m Freistil schwimmt er in 28 Sekunden. Früher war er nicht einmal um drei Sekunden schneller.

Jetzt trainiert er für die Panhellenischen Schwimmmeisterschaften für Behinderte, an denen er Ende des Monats teilnehmen wird. Dort will er sich einen Startplatz für die Paralympics in Rio sichern.

"Ich habe den Fackellauf nicht nur für mich, sondern im Namen aller Flüchtlinge gemacht. Es ist wirklich eine Ehre", sagte al-Hussein. Seine Botschaft an alle Flüchtlinge: "Geht raus und arbeitet für eure Träume."

Flüchtlinge sollen bei Olympia antreten

Die kleine Geste hat Symbolkraft, genau wie das Vorhaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), eine Delegation von Flüchtlingen unter der olympischen Flagge bei den Spielen in Rio (ab 5. August) an den Start gehen zu lassen.

"Das ist eine Botschaft der Hoffnung und der Zuversicht für die Geflüchteten und soll die Aufmerksamkeit der Welt auf das Schicksal und die Probleme der weltweit 60 Millionen Flüchtlinge lenken", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Ibrahim al-Hussein hat diese Mission in seinen zwei Minuten von Eleonas schon erfüllt. (sid, APA, 27.4.2016)

  • "Im Namen aller Flüchtlinge" trug Ibrahim al-Hussein die olympische Fackel.
    foto: afp/ louisa gouliamaki

    "Im Namen aller Flüchtlinge" trug Ibrahim al-Hussein die olympische Fackel.

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